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Full text of "Zur geschichte Jacob I., königs von Grossbritannien und Ireland [microform]"

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MASTER 

NEGA TIVE 

NO. 93-81554-14 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



Funded by the 
NATIONAL ENDOWMENT FOR THE HUMANITIES 



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would involve vioiation of the Copyright law. 



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AU THOR: 



WAHNER, E. 



TITLE: 



ZUR GESCHICHTE 
JACOB I... 

PLACE: 

OPPELN 

DA TE : 

1857 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 

PIBHOGRAPHIC MICRnF ORM TARHFT 



' Master Negative # 



Restrictions on Use: 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



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Wahner, 1 

ij;:.^ «-«Wirt« Ja«ofc 1., kamt» TOB OroBS- 
hrltannlen und Irelaad, t« ... dr. Wahner ... 
OppelB, Baak«. 186^. 
1« p. 22 M. 

At head rf Utle« Zu dar öffenUlohan pröfung 
allar klasaea des Königlichen kathollsohan gwuw 
Blau SU Oppeln am 1». »uguat 1867, und lu der i 
auf den 19. auguat feateeBetate« BahluBafeierlldJ 

kalt ladet ehrerWa-^ tij ela d«. direator dr. 
IneuBt Stlnner. IJ 4T^KOc: 

Signadt Dr. e. Wahner. '-^^0,^.^ 



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IMAGE PLACEMENT: 



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HLMEDBY: RESEARCH PI I BLICATIOrslfi INC WOOnBRnSr^r rT" 




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1100 Wayne Avenue. Suite 1100 
Silver Spring. Maryland 20910 

301/587-8202 







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BY APPLIED IMRGE. INC. 




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Zu der 



öffentlichen Prüfung aller Klassen 



des 



Königlichen katholischen Gymnasiums zu Oppeln 



am 18. August 1857 



und zu der auf den 19^:%llS^^stgese/ztea:site^^^ 

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der Director 



Dr. AagMst Stkiier. 



1. Zar Geschichte Jacob I.„Königs von Grossbritanni?„ „„d Ireland; vom Gymnasiallehrer Dr W.H 

2. Schulnachrichten; von dem Director. Gymnasiallehrer Dr. ^ahn 



er. 



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Oppeln^ 

Druck von Erdmann Raabe. 
1857. 



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Zur Geschichte Jakob I., Königs von Crossbritannien und Ireland. 

Nach einem JMannscript eines deutschen Zeitgenossen. 



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I. Theil. 



Im Magarln für die Literatur des Auslandes habe ich bereits einige Artilcel, dem genannten Manu- 
scr.pt entnommen, der Oeffentlichlceit Übergeben, indem ich zugleich in der ersten Abhandlung 
einige kurze einleitende Notizen über dasselbe vorausschickte •)• Hier aber wird es meines Er 
achtens am rechten Orte sein, bei der Besprechung desselben etwas mehr in das Detail einzugehen 

Rihii«.wl Tt \ fir^ '"'' ''" '" ^'°- ''• "*' '^'^S"^'»" ««^''"'' ■»"«•'"«^Ut habe, der 
Bibliothek des Kon.gl. kath. Gymnasiums zu Gross -Glogau. Sie kam mir zu Händen, als ich an 

jener Anstalt noch als Lehrer wirkte und mir einstens die historischen Manuscripte aus der ge- 
nannten Bibliothek zur genaueren Durchsicht verabreichen Hess.») 
.» "'« "»"^««'■rift trägt in Ermangelung eines Titelblattes den RUckentitel: , Englische Zu- 
Hr.; 7*'*'«=^B«*'"*"""^ '"' *''' ""'"='' ^^"^ J*'^'?*" Bibliothekar der genannten Anstalt, 
^rJT^ir T' '" ■'""' ^**"'''"' '*'' ^^' *'*" "'*«^*™ «'" Weibendes Verdienst uu^ 

1 ?„" p" K *r7 f"' ""f " '"' ""* ^'•""'""^ •""'"'•='• S«^«« g-^'^'g«" hat, dass er sie 
mit einem Einbände hat versehen lassen, da sie vorher im vollsten Sinne des Wortes fliegende 

Blauer zu nennen war. Diesem Umstände ist es wohl auch zuzuschreiben, dass in dem ersten 

Theile derselben und zwar im 8. Kapitel 14 Seilen fehlen (von Seite 31-44.). Sie enthält 

- die feiilenden mit eingerechnet- 272 ziemlich eng und sauber geschriebene Quartseiten und zerßllt 

in zwei Theile. Der erste, welcher mit einer Genealogie der englischen Könige schliesst, (anfangend 

mit der normannischen Dynastie, mit Wilhelm dem Eroberer, und fortgeführt bis Jakob L) ') zer- 

') Vergl. Nro. 78. 79. und 147. des Jahrganges 1856. 
freundlLTt ""\*"'°"''"'. f "'* <'«' «"'" Director D,. Wenteel, dessen wahrhaft aufrichtigen Wohlwollens und 
den onlt h "t"™;'""""':"» ''■• '"-•' ">■" — «" Augenblicke meines Bekanntwerdens n,it ihm bis zu meinen, ScheU 

^Bixr rus::u::trerh^r :;:::Lt --'" -'- • ^'^^^'^^ ^^' -'- ^— - -- 

spätere^trhirirl^r' '• """'• """ '"^ """"^ "■"^ ^""^ -^^ ^'"'' ->»> ■■- <>'-- -' 0— eine 

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fällt in 22 Kapitel auf 155 Seiten. Auf diesen Abschnitt passt wohl im Allgemeinen der RUcken- 
titel, den die Handschrift fuhrt; denn ausser der englischen Verfassung, sowohl der politischen 
als kirchlichen, werden hier auch die Sitten und Sprache der Engländer, sowie die physische 
Beschaffenheit des Landes eingehend besprochen. 

Der zweite Theil ist ein Itinerarium, eine Reisebeschreibung, und zwar eine sehr detaillirte 
Beschreibung aller der Ortschaften mit ihren Merkwürdigkeiten, die der Verfasser der Handschrift 
auf seiner Reise durch einen Theil Englands persönlich besucht, beziehungsweise gesehen hat 
Afle diese Ortschaften, die er der Reihe nach, wie er sie gesehen, durchmustert, liegen fast 
sämmtlich in der nächsten Umgebung von London. Dieser Stadt, von der er selbst sagt, dass er 
alle Winkel derselben, wo er gewusst, dass etwas Merkwürdiges zu sehen sei, „ausgekrochen 
habe",*) und den königlichen Lustschlössern hat er die meiste Aufmerksamkeit geschenkt, daher 
die Beschreibung dieser den bei weitem grössten Theil dieses zweiten Abschnittes einnimmt. 

Das Jlanuscript ist zu Saumur in Frankreich am 1. September 1616 beendet worden, was 
aus den Endworten des Werkes: „Scripsi Saulmury in Gallia Aö. 1616 1. Villi. bris." zur 

Genüge hervorgeht.*) 

Der Name des Verfassers ist nicht zu ermitteln, aber für seine deutsche Abkunft spricht 
einerseits die Sprache des Manuscripts, welches in unserer Muttersprache abgefasst ist, wenn sie 
auch nach der damaligen Art und Weise der Gelehrten zu schreiben durch Einmischung vieler 
lateinischer Phrasen, ganzer lateinischer Sätze und Perioden^), die nich(s weniger als der klassischen 
Latinität angehören, auf eine unerquickliche Welse verunstaltet wird; andererseits aber bekundet 
sich unser Anonymus selbst an mehreren Stellen als unsern Landsmann. Ja ich bin sogar ge- 
neigt, ihn für einen Schlesier zu halten; denn da, wo er das königliche Schloss zu Kingston 
beschreibt, erwähnt er auch unter andern Merkwürdigkeiten die, dass er an einem Thurme des 
Schlosses die Namen sämmtlicher englischen Könige, wie sie nach einander regiert, in Marmor 
eingegraben gelesen habe, neben diesen Namen habe er auch viele Namen deutscher Familien und 
anderer Nationen und auch einige zwanzig vom schlesischen Adel gefunden«»). Er würde 
aber gewiss nicht Veranlassung genommen haben , auf dieses Letztere einen besonderen Accent zu 
legen, wie aus dem Zusammenhange der Stelle hervorgeht, wenn nicht grade die Namen seiner 
— von unserer Seite muthmassllchen — Landsleute ganz besonders seine Aufmerksamkeit oder vielmehr 
seine Verwunderung, sie hier auf diese Weise verewigt zu sehen, erregt hätten. Für seine schle- 
sische Abkunft dürfte endlich auch der Umstand sprechen, dass das Manuscript einer der Biblio- 
theken unserer Provinz angehört, denn sonst wüsste ich nicht, auf welchem Wege dasselbe von 



*j S. 268. 

5) Das y in Saulmury steht für ein doppeltes i, wie es in der Handschrift öfters vorkommt. Saulmurium aber ist 
eorrompirt für Salmurium. Nach Bischoff 's und Möllers vergleichendem Wörterbuche der alten, mittleren nnd neueren 
Geographie S. 1094 vergl. S. 905. ist das heutige Saumur, im Departement Mayenne und Loire gelegen, entweder 
die Stadt Segora oder Salmurium zur Zeit der Römer. 

^) Nur das erste Kapitel ist ganz lateinisch. 

7) S. 118., wo er über die englischen Gerichtshöfe spricht, sagt er: „sie sind gleich wie bei uns die Schöppen- 
stül". Auf S. 2. gebraucht er diese Worte: ,,ut Jure consulti nostri de imperatore nostro loquuntur."- S. 98., wo 

er über die englische Censur spricht, sagt er: „ und were in Deutschland sehr nottwendig zu practiciren . . 

nnd so noch an mehreren andern Stellen. 

8) S. 231 „haben etliche 20 schlesisch vom Adel nomina darauf befunden". 



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Saumur nach Gross -Glogau gekommen sein sollte, wenn ich auch zugeben muss, dass manche 
Bücher und Documente ganz absonderlich abenteuerliche Odysseusfahrten gemacht haben. 

Unser Autor selbst ist in gewisser Beziehung mit diesem griechischen Helden zu vergleichen; 
auch er kann im vollsten Sinne des Wortes ein TIoXvrpoTcoi genannt werden, welches Attribut 
der alte epische Sänger jenem zuertheilt. Auch er hatte sich vielfach in der Welt umgesehen 
wenn auch nicht widerwillig dazu gezwungen, durch ein rächendes Schicksal verfolgt, wie der 
Beherrscher von Ilhaka. Nach seinen eigenen Aussagen hat er nicht bloss England, sondern auch 
Deutschland, die Niederlande und Frankreich bereiset ») und über die letzte Reise ebenso ein Iti^ 
ncrarium angelegt, wie über die in England"). Ob diese seine Reisen etwa irgendwie in einer 
diplomatischen Beziehung gestanden haben, lässt sich durch keine Angaben ermitteln; aber wenn 
wir erwägen, dass er alle deutschen Höfe kennen gelernt hatte"), dass er in alle Zimmer der 
königlichen Palläste und Schlösser in England ungehinderten Eintritt gehabt, dass er sich öfters 
in der nächsten Nähe des Königs Jakob L befunden") und sogar, wie es scheint, zur königlichen 
Tafel zugezogen worden ist'^, so machen wir gewiss keine zu gewagte Conjectur, wenn wir ihn 
für einen Mann von sogenannter Distinction halten, der vielleicht den höheren Sphären der 
deutschen Bevölkerung angehörte. 

Für seine gediegene Gelehrsamkeit, für seine gründliche Bekanntschaft mit dem klassischen 
Alterthume, wie insbesondere aber mit allem dem, was irgendwie in einer Beziehung zur Geschichte 
Englands steht, sei es politische, sei es kirchliche, gibt das Manuscript selbst, welches voll ist 
von Citaten, die den bezüglichen Werken entnommen sind, genügendes Zeugnlss. 

Gegen die historische Glaubwürdigkeit der in der Handschrift niedergelegten Thatsachen lässt 
sich im Allgemeinen nichts Erhebliches anführen, da Autor nur das berichtet, was er selbst 
gesehen, von Engländern gehört und aus den Werken Anderer geschöpft hat**). Wenn aber 
hie und da einige Ungenaulgkeiten unterlaufen, so haben dieselben einerseits woh! darin ihren 
Grund, dass er selbst falsch berichtet worden ist, andererseits aber auch in seiner nicht ganz 
klaren Kenntniss der englischen Verfassung und in seiner politischen Parteistellung. Ueberall 
tritt er nämlich offen als eifriger Verfechter der absoluten Königsgewalt auf »^), die von Jacob L 
und von dem Hause Stuart überhaupt angestrebt wurde, oder welche Dynastie vielmehr in der- 
selben Art und Weise fortzuregieren gedachte, wie die kräftigen Tudors. Zu wiederholten Malen 
dokumentirt er sich als ein entschiedener Gegner jeglicher freien, die absolute Herrschergewalt 
beschränkenden Institut ion'«). So gibt er sich im ersten Kapitel alle erdenkliche Mühe, den Abso- 

»; S. 207. u. a. a. O. 

***) Auf S. 157. heisst es: „m? in itinerario Gallfco diximus.^^ 

") S. 143. f. 207. 

") S. 94. 135. 145. f. 150. 

'^ S. 90. 

'*) Manuscr. S. 131. u. a. v. a. O. 

15) Manuscr. S. 4 sagt er: „...quod defendebamus imperium absolutum'-': 

*«J So ist er auch unter Anderem ein erklärter Feind der Pressfreiheit, und er möchte gern die freie Presse, 
wie sie damals in Deutschland bestanden haben muss, aufgehoben und eine Censur nach damaligem englischen Zu- 
schnitt eingeführt wissen; dies bekundet er auf S. 98., wenn er sagt: „Sonsten ist wol zu merken und were in 
Deutschland sehr nottwendig zu practiciren, dass nicht weit \on London ein sonderliches haus, darinnen dasz 
CoUegium Censorum zusammenkommet, und darf kein buch in ganz Engeland gedruckt werden, es sei denn zuvor vor 
dieses CoUegium bracht, undt von ihnen tanquam dignum praelo censuiret und approbiret worden; necessarium maxime 
nostra tempestate institutum, quo, quod Poeta dixit: tenet insatiabile multos scribendi cacoethes.''' 

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lutismus des englischen Künigthums nachzuweisen. Seine Beweise dafür, die zum Thell, wie er- 
wähnt, auf einem nicht ganz klaren Verständnisse der englischen Verfassung beruhen, sind fol- 
gende: Der König hat das Recht über Leben und Tod seiner Unterthaneu; er allein schreibt den 
y^modum religionis** vor; er vertheilt die Würden nach Belieben und in seiner Befugniss liegt es 
auch, Standeserhöhungen vorzunehmen; er hat das Recht, Gesetze zu geben, und die Beschlüsse 
des Parlaments erhalten erst Gesetzeskraft nach seiner Bestätigung; er allein hat das Münzrecht 
in seinem ganzen Reiche und ihm allein steht es zu, einen Krieg zu beginnen und Frieden zu 
schliessen. Nachdem er manche dieser Punkte einer näheren Beleuchtung unterworfen hat, sagt 
er gegen das Ende des genannten Kapitels : Zwar werden mir einige einwenden , die Macht der 
englischen Könige sei beschränkt durch die Parlamente, aber ich frage: was für Gewalt haben 
diese? wenn der König ihren Beschlüssen seine Bestätigung versagt, so gelten ihre Beschlüsse 
nichts. Im Uebrigen, — meint er da, wo er von den Parlamenten spricht — wage auch kein 
Parlamentsmitglied gegen den Willen des Königs Widerspruch zu erheben ; denn die Mitglieder des 
Oberhauses, welche zum grössten Theil Bischöfe und Beamte des Königs wären und diesem allein 
so zu sagen ihre Existenz, ihre Stellung im Staate verdankten, wagten schon aus diesem Grunde 
keine Opposition zu machen; sondern des Königs Wille sei ihr Wille. Wenn sich aber ja Einer 
aus dem Hause der Gemeinen unterfange, dem Willen des Monarchen zuwider zu sein, mit dem 
werde summarisch verfahren, er müsse nach dem Gefängnisse eilen *0- 

Wenn es auch richtig ist, dass öfters gegen die Glieder der Opposition diese Gewaltsmassregel 
angewandt wurde, wenn es auch richtig ist, dass sich unter der Regierung Jakob I. vorzüglich 
im Hause der Gemeinen oppositionelle Stimmen gegen die die alten verbrieften Freiheiten der englischen 
Nation verletzenden Willkürsmassnahmen des Königs erhoben und dass das Oberhaus im Ganzen 
ein geduldiges Werkzeug des Königs war; so vergisst doch unser Landsmann dabei, dass die ewig 
wiederkehrende Geldverlegenheit des Königs, — die ihn immer und immer wieder nöthigte an die 
Güte der Parlamente und insbesondere an die des Unterhauses, bei dem die Geldbiils zuerst ein- 
gebracht werden mussten, zu appelliren, — viele seiner absolutistischen Bestrebungen und Pläne 
scheitern machte und dass trotz der Einkerkerung der Glieder der Opposition der Widerstand im 
Unterhause mit den zunehmenden Regierungsjahren des Königs immer grösser und mächtiger 
wurde. Es ist dieselbe Opposition, die unter seinem Sohne und Nachfolger zuletzt zu einer 
so gewaltigen Fluth herangewachsen war, dass die Wogen über dessen Haupte zusammenschlugen. 
Diese uns unbegreifliche Parteinahme für König Jacob L von Seiten unseres Landsmannes 
muss uns um so mehr Wunder nehmen, da er, wie mehrere Stellen der Handschrift evident dar- 
thun, der katholischen Kirche angehört ;***) der Kirche also, gegen die der unter Elisabeths Re- 
gierung ohnedies mit Blut geschriebene Verfolgungscodex unter Jacob noch durch mehrere un- 
menschliche Zusätze verschärft wurde; wenn allerdings auch zugegeben werden muss, dass die 
Urheberschaft davon weniger dem Könige als dem Parlamente beizumessen ist, dem sich dieser 
zuletzt immer wieder nachgiebig zeigen musste, um dasselbe für Geldbewilligungen gefügig zu 
erhalten. 



»7) S. 112. ff. 

^®) S. 157 und 269 rechnet er nach dem neuen, durch Pabst Gregor XIII. verbesserten Kalender, den, wie 
bekannt, die Protestanten erst im Laufe des ISten Jahrhunderts annahmen. 

S. 272. schliesst er den zweiten Theil seines Werkes mit folgenden Worten: »Fac. mi Christe, at vere audia* 
mns cum Catholica, quam sanguine tuo redemisti, Ecclesia etc.'' u. m. a. Stellen. 



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Dabei müssen wir aber bemerken, dass unser Autor nichts weniger als dem Indifferentismus 
huldigt, so dass vielleicht seine Parteinahme für Jacob aus dieser Motive zu erklären wäre- im 
Gegentheil, viele Stellen der Handschrift beweisen zur Genüge, dass er ein warmer Verehrer' und 
treuer Anhänger seiner Kirche war. Ueberall, wo es darauf ankommt, lässt er ihr einen gerech- 
ten Schutz von seiner Seite angedeihen. Aber gerade desshalb, weil der Verfasser der Hand- 
schrift ein Katholik, ein Fremder ist und somit auch den König Jacob von einem andern Stand- 
punkte aus betrachtet, wie ein grosser Theil der übrigen Geschichtsschreiber; weil er ferner ein 
Zeitgenosse des Königs ist, mit dem er selbst, wie bereits oben angedeutet worden in nahe 
Berührung gekommen zu sein scheint, und endlich, weil im Allgemeinen Alles das was er uns 
berichtet, den Charac(er der grösslmöglichsten Mässigung und Leidenschaftslosigkeit an sich trägt 
- verdienen die Im Manuscript niedergelegten Thatsachen wohl unsere Beachtung Natürlich 
werden wir aus demselben nur die Momente hervorheben, welche wir in den Geschichtswerken 
und Quellen, soweit uns diese zum Nachschlagen und Vergleichen hier zu Gebote standen gar 
nicht, oder als abweichend von den Angaben der verglichenen Werke gefunden haben.' 

In dieser Abhandlung wollen wir zuvörderst nur das mittheilen, was uns das Manuscript in 
dem Capitel: „Ueber den König und seinen Hof«»») berichtet, und zugleich auch die in 
andern Theilen der Handschrift hie und da zerstreut stehenden und hierauf Bezug habenden 
Stellen mit hinein verflechten. 

Was die Anordnung des Stoffes anbelangt, so wollen wir Im Allgemeinen, so weit es an- 
geht, den Gang des Manuscripts beibehalten. 

Gleich am Eingange des erwähnten Capitels führt unser Landsmann bittere Klagen über die 
Maler, dass sie grosse Fehler in den Portraits des Königs gemacht hätten. Wahrscheinlich hatten 
sie ihn nach seiner Ansicht zu hässlich dargestellt; er hätte doch gern noch — so weit geht 
hier seine Parteinahme für die Persönlichkeit Jacobs - dem Könige ein schönes Gesicht auf- 
gesetzt gewünscht, welches ihm leider Mutter Natur versagt hatte; denn es ist eine hinlänglich 
ausgemachte Sache, dass Jacob auch Nichts von der Schönheit seiner unglücklichen Mutter 
geerbt , dass er im Geringsten Nichts mit einem Adonis gemein hatte. Unser Anonymus tritt dem- 
nach gleichsam die Fehler der Maler corrigirend auf, wenn er sagt: „Sein Gesicht gibet ganz 
klar hominem honestissimum sine fastu, sine dolo;") und wenn in einer recht ansihett, so ist 
sich darob zuuerwundern, wie es doch immermehr solche Leute geben mögen, so ihme'so offt 
nach seinem Leben gestanden haben.'' 

Jetzt, fährt er weiter fort, leidet er am Podagra, so dass er schlecht zu Fuss Ist. Er ist 
von mittlerer Gestalt, in seiner Kleidung ist er nicht sonderlich prächtig,") doch habe ich ihn 
einen Diamanten in der Hutschnur tragen sehen, der auf sechzig Tausend Kronen geschätzt wor- 
den Ist. Er redet etwas schwer, weil er einmal auf der Jagd durch einen Sturz mit seinem 
Pferde den Kinnbacken gebrochen haben soll.") 



**) S. 129. flF. 

*p Das dürfte denn wohl doch mit vielen seiner Handlungen nicht im Einklänge stehen. 

") Das bekunden auch andere Schriftsteller: v. Raumer, Gesch. Europa's seit dem Ende des löten Jahrhunderts, 

Bd., S. 254, Anm. 1. ^Wore bis clothes to rags." 

") Lingard, Geschichte Englands, verdeutscht von G. v. S., Quedlinburg und Leipzig 1836, IX. Bd., S. 290. 
Anmerk., und auch andere Historiker haben eine andere Angabe; sie meinen, seine Zunge sei von Natur für sei- 
nen Mund zu breit oder zu dick gewesen. 



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Hierauf erwähnt der Verfasser die überaus grossen Kenntnisse des Königs. Von seiner eben 
so umfangreichen wie pedantischen Gelehrsamlceit in der Theologie, die ihm von Seiten seiner 
Schmeichler und Günstlinge den Namen eines „britischen Salomon''*^) verschaffte, hat er der 
Nachwelt hinlängliche Proben hinterlassen. Aber auch seine sprachlichen Kenntnisse waren von 
einem Achtung gebietenden Umfange. Neben dem Französischen und (iriechischen beschäftigte er 
sich, wie unser Autor berichtet, am meisten und liebsten mit dem Lateinischen,**) in welcher 
Sprache er es zu einer recht gediegenen Vollkommenheit gebracht hatte. Das Latein war seine 
Conversationssprache mit den Gelehrten seiner Zeit. Es spricht aber von seiner grossen Pedan- 
terie und seinem gelehrten Stolze, wenn er, wie die Handschrift meldet, jährlich zweimal nach 
der Universität Oxford reisete, um den Professoren dort öffentlich lateinisch zu opponiren,**) womit 
er zugleich die Absicht verband, den Engländern, die das Latein sehr schlecht aussprächen,**) — 
welcher Vorwurf, wie bekannt, auch heute zu Tage noch auf ihnen lastet, — eine bessere Aus- 
sprache beizubringen. Der König aber spricht, fährt die Handschrift fort, wie überhaupt alle 
Schotten, das Latein sehr rein aus, und es kann ihn nichts mehr in eine unangenehm gereizte 
Stimmung bringen, als wenn Einer, mit dem er eine lateinische Conversation anknüpft, diese 
Sprache durch eine schlechte Aussprache verunstaltet. Er könne darüber so sehr in Harnisch 
gebracht werden, dass er den Betreffenden in der Regel mit rauhen Worten anfahre und demsel- 
ben nicht selten seine königliche Gnade entziehe. 

Auf diese Weise, hegt hierbei unser Landsmann die sichere Hoffnung, wird aber wohl der 
König mit der Zeit eine bessere Aussprache des Latein bei den Engländern erzielen, „weil ieder 
gern den König zu einem gnedigen Herren haben will, also geben sich die vornehmsten sehr 
d.irauff, ut quam emendatissime pronuncient." *^) 

Nachdem wir hier einige Episoden aus einem andern Capitel der Handschrift eingefügt 
haben, kehren wir wieder zum früheren zurück. Anknüpfend an das, was der Verfasser von der 
Wissbegierde und Gelehrsamkeit des Königs gesagt hat, berichtet er weiter: *») Zu der jetzigen 
Zeit liegt der König seinen Studien nicht mehr so fleissig ob, als wie er dies früher zu thun 
pflegte, weil er jetzt mehr der Jagd nachgeht, der er als seiner grössten zeitlichen Lust den 
ganzen Sommer widmet, indem er von einem königlichen Schlosse zum andern zieht. 

Die Characteristik, die unser Anonymus über des Königs Gemüths-, Denk- und Handlungs- 
weise giebt, lassen wir ihrer Eigenthümlichkeit wegen nach dem Wortlaute der Handschrift hier 
folgen. Er sagt: „Der König ist ex levicula causa leichtlich zu grimmig Zorn, schelten und bö- 
sem fluchen zu bewegen: Dannenhero als einmahls die Königin, der iunge König und Churfürst 
von Heidelberg*®) an der taffei bei ihm gewesen, hatt der König gesagtt, bin Ich nicht mit dem 
König David zu vorgleichen, cui Palatinus respondisse dicitur: Bene verum, aber König Davidt 
fluchte nicht, wie der Herr Vater zu thun pflegett; rex arrisit, ut qul verbum sibi dici non indi- 



*3) Der Herzog von Sully dagegen nannte ihn den „weisesten Thoren in Europa." Lingard S. 289. 

**) ^gl- i™ ^^- ^^^ Capitel „über die Sprache der Engländer," S. 14. flF, 

«) M. S. 16 u. 257. 

' 'S) S. 16: „Dises kann man hirbei auch mereken, das es fast in keinem lande gefunden werden sol, dA die 
Lateinische Sprach elender durch böse pronunciation zumartert würde, alsz in England....'^ 

»7) s. 16. 

««) S. 129 f. 

*^ Friedrich V. von der Pfalz, der Schwiegersohn Jacob I. 



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gnatur. So bald man eine Hand umbdrehett ist der Zorn vorüber. Wenn er aber einem mit 
Gnaden bewogen, so hat die Gnade Icein Ende, und ist ihm nichtsz libers alsz das er seine 
Königliche Gnade nicht allein bei seinen Unterlhanen, sondern auch auser Landes bekandt machen 
möge. Geschichfs aber, dasz einer sich unbilllch verhelt, und darumb in Königliche Ungnaden 
konibt. so gut und starck die Königliche gnade vorhin gewesen, so starck ist hernach die un 
gnade. Ja der König sol nichtsz libers wünschen, alsz dasz seine Königliche gnade nieroalen 
angefangen gewesen were: prsceps gratia magnorum Principum prscipitem calamitatem afferf 
Iberdisz sagt man, dasz er seine leges inviolabiliter gehalten haben wolle, und wenn einer seiner 
officiar.orum (Beamten) dawider delinquiret, so ist keine gnade, sondern gutt Recht- Es sei einer 
so hoch er wolle, intercediren darf er nicht, sondern er pfleget zu sagen: Rex sum, iusta imne- 
rabo, luste imperanti morem geri volo, et praserlim a meis, gratia mea non serviet magnorum 
sceler.bus. Wenn irgend ein armer Jlann ex infima plebe etwas delinquiret, so ver^ibet ihm auf 
anhalten und iutercession der König biszweilcn leichtlich, magnis non item, quia sciunt vident 
aud.unt Regem bonum peritum, serio nulle, ut quis aulae su* iniuriis quocunque modo a'fficiatur' 
Facte niagni principes ut iudicium a domo Domini inchoet; quomodo [inquit Rex Jacobus ad 
filium )] leges et constitutiones (uae in provincia obseruentur, cum in Aula et Regia domo etiam 
»d lalus tuum violentur? In curialem legerupam acerbius quam in quemvis alium animadvertas 
In seinen Zusagen ist er aufrichtig, und wils simpliciter gehalten haben: pflegett ihnen auch 
nichls mehr zu vordrissen, alsz wenn er Zeitung bekommet, dasz Fürsten Könige und Herren 
wider gegebenen Trew und glauben gehandelt haben. Quis tibi fidelis erit, cum tu ipse fldem 

Die friedliebende Gesinnung, die den König wührend seiner ganzen Regierungszeit beseelte 
und durch die er nur zu oft der Spott der andern Monarchen wurde, 3») weil sie einsahen dass 
dieselbe in seiner Schwäche ihre Quelle halte, wird auch durch unsere Handschrift bes'tätist 
Nichts sagt sie,") liege dem Könige mehr am Herzen, als die Erhaltung des kirchlichen und 
politischen Friedens unter den Völkern, und wenn er höre, dass irgend ein Krieg ausgebrochen 
sei, so schicke er, wenn auch damit bedeutende Unkosten verknüpft wären, seine Gesandten an 
die kriegführenden Parteien ab, um den Frieden unter ihnen wiederherzustellen; er beharre un 
veränderlich auf seinem sich selbst gesetzten Wahlspruche: „Beati paciflci!" Dieser soll folgen 
dem Imstande seinen Ursprung zu verdanken haben: „Alsz er in Engeland König worden hatt er 
einen beeren und Ochsen mit einander kempfen lassen wollen, aber man hatt sie quibuscunque 
arlibus nicht dazu bringen können, dass sie einander angegriffen betten. Ouo rex delectatus 
accipio bonum omen, inquit, et ero damnas per Deum meum huius voti, scio, quod nullus bello- 
rum tumultus me vivo Regnum et quietem meam inturbaturus sit.« 

Nur den Mederländern, die schon seine Vorgängerin, die Königin Elisabeth, in ihrem Auf- 

*0 In P. instit. lib. 11, p. 75. 

•'") Hätte doch Jacob selbst diese vortreffliche Lehre stets beherzigt! 

») So soll einst Heinrich IV. von Franltreich, die Friedensliebe und die Gelehrsamkeit Jacobs verhöhnend an 
dessen Gesandten spöttisch die Frage gestellt haben: Was macht denn unser Schulmeister und Philosoph» Der 'Ge- 
sandte aber habe darauf geantwortet: Der König lässt durch den Gesandten antworten, dass er (Jacob I) eine Peit- 
sche habe mit der er Alle diejenigen züchtigen werde, die sich unterfangen würden, etwas gegen ihn zu unter- 
nehmen. Manusc. 133. 

") M. U2 f. -- 



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8 

Stande gegen die spanische Herrschaft mit Subsidien und Truppen unterstützt hatte, Hess Jacob 
trotz des mit Spanien abgeschlossenen Friedens einige schwache Unterstützungen, die als jährliche 
Pensionen fortgesetzt wurden, angedeihen.**) Das Streben des spanischen Cabinets ging nun da- 
bin, durch Unterhandlungen den König von England dazu zu vermögen, den Niederländern auch 
noch diese letzte Hülfe zu entziehen. Es war daher natürlich, dass die spanischen Gesandten am 
Londoner Hofe in dieser Angelegenheit eine besondere Thätigkeit entwickelten. Nicht uninteressant 
ist das Geschichtchen, welches uns das Manuscript über eine derartige Verhandlung mittheilt. 
Der spanische Gesandte suchte durch folgende Allegorie, worin er den König Jacob den „salvato- 
rem Batavorum " nannte, zu seinem Zwecke zu gelangen. Ein Edelmann und ein Priester, erzählte 
er, waren so erzürnt aufeinander, dass sie sich gegenseitig den Tod geschworen hatten, ^konnten 
aber einander nicht nach Ihrem Begehren in die haar kommen." Einstens aber trug es sich zu, 
dass der Edelmann dem Priester begegnete, als dieser eben einem Kranken das heil. Sacrament 
bringen wollte. Der Edelmann rief ihm zu: Ha, begegnen wir hier einander? wir wollten bald 
mit einander fertig werden, wenn Du nicht Deinen Herrgott und Erlöser bei Dir hättest. Der 
Priester, der nicht weniger von 3Iuth beseelt war, als der Edelmann, nahm seine Monstranze, 
setzte sie auf einen Stein und sagte dann zu seinem Gegner: Wohlan, nun kann es losgehen, 
wir wollen sehen, wer von uns Beiden des Andern Meister werden wird; aber Du, Erlöser! wandte 
er sich zur Monstranze, darfst Keinem von uns Beiden helfen, sondern siehe nur zu, dass es 
kampfgerecht zugeht; Du sollst Deine Lust daran haben, wie wir mit einander werden fertig 
werden. Der Gesandte wollte damit dem Könige Jacob zu verstehen geben, dass, wenn er sich 
im Kampfe zwischen Spanien und den Niederlanden auf einen eben so neutralen Standpunkt stelle, 
wie es der Erlöser that im Zwiste zwischen dem Priester und dem Edelmanne, seinem Gebieter 
es ein Leichtes sein würde, die rebellischen Niederländer zu ihrer Unterthanenpflicht zurück- 
zubringen. Der König aber, dessen religiöse Anschauung, die er vom höchsten Wesen hatte, da- 
durch, wie es scheint, verletzt war, der es überhaupt für ungereimt hielt, ihn als ein mensch- 
liches Wesen mit dem Erlöser selbst in Vergleich zu stellen, machte dazu — nach den Aussagen 
der Handschrift — ein unwilliges Gesicht, und würdigte den Gesandten keiner Antwort. 

Die Gottesfurcht und das fromme Gemüt h des Königs weiss unser Anonymus überhaupt nicht 
genug zu loben. Er erzählt unter Anderem, dass er trotz seiner Zerstreuungen, die er auf der 
Jagd und in anderen Vergnügungen suche, seine Betstunden stets gewissenhaft innehalte. Der 
Bischof von Ely, welcher seine Wohnung in dem königlichen Schlosse habe, verrichte täglich mit 
ihm sein Gebet. Bei der Tafel habe er in der Begel drei Bischöfe, die nicht allein mit ihm be- 
teten, sondern auch wissenschaftliche Gespräche über christliche Dinge mit ihm führten; wie er 
sich denn überhaupt lieber mit diesen, als andern grossen Herren, die täglich bei ihm zur Tafel 
wären, zu unterhalten pflegte. 

Für des Königs Gottesfurcht und Frömmigkeit, sagt die Handschrift ferner, spreche auch 
dieses: Als ihm die Nachricht von dem gewaltthätigen Tode Heinrich IV. von Frankreich zu Ohren 
kam, soll er heftig erschrocken und eine ganze halbe Stunde bewegungslos sitzen geblieben sein, 
^ quasi attonitus in throno Regali, et alte meditatus rerum humanarum tristem vicissitudlnem." 
Nachdem er das Stillschweigen gebrochen, indem er zu den umstehenden Bischöfen und Vorneh- 
men des Reiches nur diese Worte äusserte: „Homo fuit, non conlisus in Domino Deo suo," habe 



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^) Lingard S. 12, Anm. 11. 



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er sich in eil. inneres verborgenes Gemach zurückgezogen, bitterlich über das beklagenswerthe 
Logs der Könige geweint und sein Heii dem Höchsten empfohlen. Wohl habe der Könirknünft 
das Manuscript an, Ursache, gottesfurchtig zu sein,, und sich fernerhin dem Schutze des H^h 
sten zu empfehlen, da er durch Gottes weise Vorsehung dreimal aus der ihm drohenden Todes- 
gefahr, w-elche .hm von seinen Unterthanen bereitet, gerettet worden sei. Das eine Mal sei se n 
Leben bedroht gewesen durch die Verschwörung der Gebrüder Ruthven, der sle d s weZ 
Hochverraths im Jahre 1584 enthaupteten Grafen von Gowrie oder Gouri |[a. 1600]«) d wS 
a durch ein ähnliches Comp.ot - welches wir unten näher besprechen wer n,^- und da 
dritte -Mal durch die Pulververschwörung. 

In Betreff des ersten Complots stimmt der ziemlich ausführliche Bericht unsers \utors der 
nach seiner eigenen Angabe aus Metteran geschöpft hat, im .allgemeinen mit dem, wasuns R;bert' 
son in seiner Geschichte von Schottland ausführlich über dieses Factum mitthelt, über in und 
wir wurden keine Veranlassung genommen haben, die anfangs uns unwesentlich s heinen en Dif- 
ferenzen zwischen Robertson und dem .Manuscript hier einer näheren Berücksichtigung zu \X 
digen, wenn nicht der schottische Geschichtsschreiber selbst die Widersprüche und Abweichungen 
in den Aussagen über verschiedene besondere Umstände dieser Thatsache vergleichsweise zusammen 
gestellt hätte.«) Einander widersprechend sind nämlich in mancher Bezfehung TirX 
des konigs - der wenige Wochen nach dem Tode der Gebrüder Ruthven eine Beschre bung vo^ 
hrer Conspiration herausgab - und die Aussagen des Andreas Henderson, des Haushofllters 
des alteren Ruthven, der als geharnischter Mann verkleidet den Konig umbrin-en soiur W 

ralL'^ef •"'"'""•'" '""''^ ''' """^^■^'^•^ ""' -- KobertsoVschen crntr:;L ^Z 
Robertson sagt I.- Nach des Königs Berichte stund, indo,. der H,. Ruthven den Dolch auf 
des Konigs Brust hielt, der Mensch im Cabinet zitternd und bebend. Aber Henderson spricht 
er selbst habe den Dolch dem Hr. Ruthven aus der Hand gewunden "«»«"son spricht, 

Im Mannscr. hcisst es: (Als der König in das Zimmer kam, wo der geharnischte Mann 
stand): Also bald feilet der Graf den König an und saget dasz er sterben müsse eoqnod na" 
rentem capitis damnasset, befihlet auch dem geharnischten manne den König azugre ff«" VMe 

iztzszz'r """"• "" """"^■'" *•'"" ''"'-' ^^ - ''"^-' «-" ^ 

Robertson II: Der König behauptet, Henderson habe während der Abwesenheit des Hr 
Rnthven das Fenster geöffnet. Henderson saget aus, er habe es nur öffnen wollen de m 

Lt:rd\rm^r:c,r""'^~'= "" -' '-'- - ^^--^ - --- --- -- 

h„ • ^Ir"!,"" y"' "*' *^'"''^* "" **"''^"' ß'""" "•«"«»' "helt der König so vil bei dem ge- 
harnischten Mann dasz er zu einem fenster kombt, öfnet das geschwind und schreiett Mordi" etc. 

betha S 770 n! J ■' . f^:/- ""^ '^«■"^''"' Annales rerum Anglicarum et Hibernicarum regnan.e Eli^a- 

«inml?.„^t ''"';./'^''""' ■"." '^" «"» 0™ Manusor. entnommenen Stelle etwas weiter ausgeholt, um sie nicht „oeh 

ZulvX " """"" *•'' •*" ^'"S'-^h"-« ■»" den in sich selbst abweichenden Aus agen ZZ Z2 

«nahges Verhör genommenen Henderson. Vgl. Robertson S. 286. f. Anm. 



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10 

Robertson III: Sollen wir dem Könige glauben, so stund der Mensch Im Cabinet während 
des Zweikampfes hinter dem Könige, die ganze Zeit unbeweglich und zitternd. Allein Hender- 
son behauptet, er habe dem Hr. Ruthven den Kniegürtel, womit er den König binden wollen, aus 
den Händen gerissen; er habe Ruthven's Hand, womit er dem Könige den Mund zuhalten wollen, 
weggestossen; er habe das Fensler geöffnet. 

Manuscr.: Der König redet dem geharnischten Mann zu, bonis verbis et minis manum abs- 
tinere facit. 

Robertson IV: Nach des Königs Rerichte Hess ihn der Herr Ruthven Im Cabinete und 
ging fort mit seinem Bruder zu sprechen, und der Graf kam in eben der Absicht die Treppe 
herauf. Henderson saget aus, er glaube, dass Hr. Ruthven, wie er von dem Könige gegangen, 
sich nicht von der Thür entfernt habe. 

Manuscr.: Dem Grafen feilet der König in die arm dasz er mit dem Degen nichts ausrich- 
ten kan. Wie der Gräfe nicht vortkan, und der König umb fristung seines Lebens bitet, erwei- 
chet er endlich den Grafen, dasz er vorwilliget, rem cum fratre zu communiciren, doch muste 
ihm der König zuvor einen Eydt (hun, das er disz ihr begunsten (?) [Vergehen] in keinerlei 
weise straffen, sondern ihnen völlige pardon hiemit erteilen wolle. 

Die zweite in unserem Manuscr. erwähnte Verschwörung gegen das Leben des Königs finden 
wir weder in Hume, in Lingard, noch in andern umfassenderen Geschichtswerken erwähnt. 3Ilt 
dem geheimnissvollen Complot der „Hauptsache" (tlie main), oder mit dem diesem untergeord- 
neten aber eben so dunkelen der „Nebensache" (the pye) kann es keinen Zusammenhang haben, 
da in diesen, soviel sich über die Absicht beider Verschwörungen hat ans Tageslicht bringen 
lassen, nicht die Ermordung des Königs intendirt war;^^) endlich aber kamen jene beiden Ver- 
schwörungen gar nicht so weit zur Ausführung, wie die im Manuscr. erwähnte. Oder sollte unser 
Landsmann etwa darüber falsch berichtet oder den Bericht falsch aufgefasst haben? Das ge- 
heimnissvolle Dunkel, welches diese Sache umgiebt, würde sich freilich sofort lösen, wenn das 
Manuscr. wenigstens die Namen jener beiden sogenannten „Herren und Grafen," die dem Kö- 
nige auf der Jagd auflauerten, anführte. Zwei Grafen aber waren unsers Wissens weder bei dem 
Complot der Hauptsache, noch bei dem der Nebensache betheiligt. ^^) 

Merkwürdig aber bleibt es immerhin, dass diese Verschwörung mit den beiden eben an- 
geführten in denselben Zeitabschnitt, nämlich in die Zeit von 1603 — 1604, fällt. Das geht näm- 
lich In der Handschrift daraus hervor, dass die drei Verschwörungen gegen das Leben des Königs 
chronologisch geordnet, und dass die zweite stattfand, als Jacob bereits König von England war, 
und zwar vor der Pulververschwörung. Wir lassen nun die Mittheilungen der Handschrift darüber 
folgen: „In Engeland," helsst es, „ging es ihm nicht besser: Denn conspiratione in Ipsum facta 
haben ihnen zwei herren und Grafen gewiss vorgenommen, den König zu erschissen, und haben 
solches zuuorichten keinen commodlorem locum und conditionem gewust, alsz die Jagt; *°) quid 
fit? Der König, der auf solche Ubelthat keinen gedancken, zeucht auf die Jagt, die conspiranten 



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11 

legen sich an einen Ort mit ihren Rohren, da der König vermutlich vorüber iagen würde: omnia 
^'1 succedunt ex voto, dasz Wild leufft auf den Ort zu canes cum Rege insequuntur. Wie das wild 
dahin ubi delltuerunt parricidae kommet, wendet es sich, und leufft den hunden stracks entgegen; 
Res noua vIsa et miraculosa, quod ibi lateat, ignoratur, inquiritur, reperiunt, capiunt latrones 
statim confessos. Rex extra periculum." 
f Was endlich das dritte Complot, die sogenannte Pulververschwörung anbelangt, so stimmt 

das, was uns das Manuscr. allerdings nur in kurzen Umrissen darüber mittheilt, im Ganzen mit 
dem überein, was uns andere Schriftsteller darüber ausführlicher erzählen. Nur ist un- 
ser Autor in dem irrigen Glauben darüber befangen, — eine Ansicht, die damals wahrscheinlich 
durchweg gang und gäbe war, und die selbst noch im vergangenen Jahrhunderte durch Hume 
vertreten wird,**) — dass die Jesuiten, insbesondere der Provinzial des Ordens, Garnet, die 
Anstifter jenes Attentats auf das Leben des Königs und aller der katholischen Kirche feindlich 
gesinnten Parlamentsmitglieder gewesen seien. Indess gründlichere Forschungen in der Neuzeit 
haben längst dargethan, *') dass die Jesuiten unschuldig waren, und dass Garnet unschuldig als 
ein Opfer des Hasses, der Unduldsamkeit, der Verfolgungswuth, und seines unerschütterlichen 
Festhaltens an den Vorschriften seiner Kirche unter dem Beile des Henkers sein Leben aushauchte. 

Eine andere, allerdings von wenig oder gar keiner historischen Bedeutung obwaltende Dif- 
ferenz, welche ich auch der Erwähnung gar nicht für werth halten würde, wenn nicht in dieser 
Angabe Hume und Lingard selbst — wenn auch um wenig — von einander abwichen, ist die, 
dass das Manuscr. anglebt, die Verschworenen hätten 30 Tonnen Pulver im Keller des Parlament- 
• hauses versteckt gehabt, während Hume von 36 Tonnen,*^) und Lingard**) von zwei Hogshead 
(Oxhoft) und 32 Barrels (Tonnen) spricht. 

W^enn ferner unser Anonymus sagt: „Digby und Catesby waren fort" (nachdem nämlich 
Fawkes, der im Keller die Wache hielt und den Pulvervorrath anzünden sollte, ergriffen und das 
Complot verrathen war), „aber nicht aus dem Königreich, und weil sie in einem schlosz, und 
sich nicht erwehren mochten, haben sie sich selber umbbracht, dasz also die principales compli- 
ces verschwigen blieben;" — so findet in Betreff des Namens Digby eine Verwechselung statt 
mit Percy; denn nach dem Zeugniss anderer Historiker schlug sich Digby mit mehreren anderen 
Verschworenen durch und wurde erst später aufgegriffen; Catesby und Percy tödteten sich aber 
nicht selbst, sondern an der Rettung verzweifelnd, setzten sie sich, um dem Beile des Henkers 
nicht zu verfallen, bei der Vertheidigung des Schlosses, in das sie sich geflüchtet hatten, der- 
gestalt dem feindlichen Feuer aus, dass Beide tödtllch verwundet wurden.*^) Nach ihrem Tode, 
berichtet das Manuscr. weiter, wurden sie, nämlich Digby, Catesby, beziehungsweise Percy, ge- 
viertheilt, ihre Köpfe auf das Parlamenthaus gesteckt,*^) und die Leichentheile, nachdem sie 
vorher in Essig gesotten worden waren, in eisernen Körben aufgehängt; die Diener der Verschwo- 



3®) Hume, Histoire de la maison de Stuart sur le tröne d'Angleterre ; traduite de TAnglais. A Londres 1760. 
IV« Tom. I, pag. 7. ff. Lingard S. 14. ff. 

39) Vgl. hierüber Hume und Lingard a. a. O. 

*°) Die Jagd sollte allerdings auch lür das Complot der „Nebensache" das Mittel sein, sich der Person de» 
Königs za bemächtigen, aber nicht, um ihn zu tödten. Lingard S. 17. 



^») S. 29. 

*') Ich verweise vor allen Andern auf Lingard S. 71. ff. 

*^) S. 30: trent-six barils de poudre. 

**) S. 66. 

*^) Lingard S. 67. ff. Hume S. 33. f. 

*^) An einem andern Orte, bei der Beschreibung des Parlamenthauses (S. 212.) sagt der Verfasser der Hand- 
schrift unter Anderem: „Die Köpfe des Catesby und Digby sind zu alleröberste anstadt des Wetterhan angenagelt." 



\2 

renen aber und die Jesuiten wurden gehängt /O die Köpfe derselben auf Lanzen gesteckt und 
auf der Themsebrücke aufgepflanzt.'*®) 

Ob an den übrigen Verschworenen nach ihrer Hinrichtung mit dem Beile auch die kannl- 
baiische Sitte des Viertheilens executirt wurde, erhellet nicht aus den uns vorliegenden Werken. 
An dem Jesuitenprovinzial Garnet wurde sie vollzogen; ob dieser aber zuvor durch den Strang 
starb (und somit dem Verfasser des Manuscr. Glauben beizumessen ist), oder durch das Beil hin- 
gerichtet wurde, ist ebensowenig ersichtlich, da Lingard, der sonst überall ziemlich speciell in 
seinen Berichten zu Werke geht, nur sagt: „der barbarische Gebrauch des Viertheilens fand erst 
nach erfolgtem gänzlichen Tode statt.'*®) 

Die natürliche Folge von diesen drei Attentaten gegen das Leben des Königs war, wie die 
Handschrift bemerkt, dasz er furchtsam und argwöhnisch wurde, 5«») und wenn ihm dann zufällio^ 
etwas Ungewöhnliches begegnete, gerieth er darüber so in Schrecken, dass er stets hell lau^t 
aufschrie: Verrä(hcr, Verräther! Doch soll er, fährt die Handschrift fort, zu wiederholten Malen 
gesagt haben: „Ich fürchte mich im Geringsten nicht vor dem Tode; soll ich aber von meinen 
ünterthanen, denen ich nie ein Leid zugefügt, und auch nicht darnach begehre, ihnen ein sol- 
ches zu bereiten, verfolgt und als Tyrann hingerichtet werden, so geht mir dieses im höchsten 
Grade zu Herzen; aber Gott ist weise und mächtig genug, der wird die durch seine Macht ein- 
gesetzte Obrigkeit so leiten, dass man auch bei den Nachkommen sagen wird: Durch mich regie- 
ren die Könige, es gibt keine Obrigkeit als durch Gott; wer sich wider die von Gott gesetzte 
Obrigkeit auflehnt, dessen Nachkommen sollen aus ihrem Volke ausgerottet und gleichsam als 
Scheusale ausgesetzt werden." 

Was uns unser Landsmann über die prachtvolle und verschwenderische Hofhaltung Jacobs 
— ganz im Gegensatze zu seiner äusseren Erscheinung — mittheilt, stimmt vollkommen mit dem 
überein, was uns Lingard =») und andere Schriftsteller darüber berichten. In seiner Verwunderung 
und in seinem Erstaunen darüber sagt er, dass er einen solchen Glanz weder am Hofe des Kai- 
sers, noch des Königs von Frankreich, noch des Erzherzogs Albert, noch an dem Hufe eines 
andern Fürsten gesehen habe. 

Es ist ferner bekannt, dass es zu den Eigenheiten des Königs gehörte, eigensinnig von 
dem männlichen Personale seines Hofstaates und seiner Dienerschaft zu verlangen, stets mit^glatt 
rasirten Gesichtern vor ihm zu erscheinen.") Es mochte vielleicht diese Eigenheit in der eigenen 
stiefmütterlichen Ausstattung mit dieser männlichen Zierde ihren Grund haben.") 

Eine andere Eigenheit des Königs, die das Manuscr. erwähnt, war seine überaus grosse 

p Aber soviel uns bekannt ist, war Garnet der einzige Jesuit, der wegen dieser Angelegenheit hingerichtet 

wurde Es wurden demnach die Worte des Manuscr.: , die Jesuiten wurden gehängt« dahin zu modificiren sein. 

) U.ese waren noch zu der Zeit, wo unser Landsmann England besuchte, zu sehen. Bei der Beschreibung 
der Themsebrucke S. 219. Manusc. heisst es noch: .Daselbst oben stecken ein grosz hanffen Köpfe derer, so dem 
Konige nach dem Leben getrachtet haben." 

*^ S. 78. 

1, ik'""^- ^l^'ß^'^ ^- ^^^- ^"'"- ™^i"*= "Er war von Natur sehr ängstlich, und dies war die Hauptursache, wess- 
nalb sein Uamms so dick gesteppt war." 

^*) S. 108. u. a. m. a, St. 

'^) Daher sagt auch unser Anonymus in einer Randbemerkung: ..Der König hat gerne ezliche Diener, die schön 
Ton besieht und glatt umbs maul, dannhero sich ezliche vleiszig den hart abnehmen lassen." 
") Lingard S. 290. Anm.: ,Sein Bart war sehr dünn." 



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13 

Antipathie gegen das Tabakrauchen, wesshalb er dasselbe nicht allein aus seiner nächsten Um- 
gebung gänzlich verbannt wissen wollte, sondern auch, um das ihm lästige Rauchen, welches da- 
mals in England ziemlich stark getrieben worden zu sein scheint, wo möglich ganz zu beseitigen, 
einen grossen Zoll auf die Einfuhr des Tabaks legte. '*) Einen Stein im Brett hatten bei ihm 
aber Alle diejenigen, die nicht dieser höchst unschuldigen, aber dem Könige äusserst verhassten 
Passion nachhingen.^*) 

Das Hofceremoniell, zu dessen Betrachtung das Manuscript übergeht, erinnert in mancher 
Beziehung freilich mehr an einen orientalischen Despoten- als an einen civilisirten europäischen 
Fürstenhof. Wir lassen die Mittheilungen hierüber, wie sie die Handschrift gibt, hiermit folgen. 
Es heisst: Wenn der einzige Sohn zum Vater kommt oder bei der Tafel erscheint, so darf er 
seinen Hut nicht aufbehallen, und wenn zur härtesten Winterszeit der König auf seinem Wagen 
ausfährt, so darf kein Kutscher oder Trabant, oder ein anderer Herr, der mit in dem Wagen 
des Königs sitzt, ja selbst der Prinz nicht seinen Hut auf dem Haupte behalten. Sollte er (der 
Prinz) dieses nicht ertragen können, so mag er absteigen und sich auf seinen Wagen, den er 
immer in der Nähe hinter sich hat, setzen; dann kann er sein Haupt bedecken. 

Wenn der König trinkt, so muss selbst seine Gemahlin und sein Sohn aufstehen. Seine 
Tafel ist um Etwas höher als die des Prinzen, der auch seine eigenen Speisen hat. „Ja es ist 
kein Engelender, wenn er in die Presenz-Cammer oder andere Königliche Zimmer kommet, so 
nimmet er seinen Hut ab, wenn gleich weder der König noch einiger anderer mensch darinnen, 
sola majestatis Regiae veneratione. frembde pflegen es biszweilen nicht zu thun, sed raro, und 
wird der vor einen groben gesellen gehalten, der solches in einem und dem andern unterlesset." 
Wenn das Essen aufgetragen (was immer von seinen Trabanten geschieht) und einem Grafen 
nicht weit von der Tafel in die Hände gegeben wird, so muss sich Jedermann mit jeder Speise 
dreimal neigen; der Graf, der sie in Empfang nimmt, muss dieses ebenfalls thun. Ja, die Kö- 
nigin selbst und der Prinz, wenn sie mit dem Könige reden oder sich im Tanze vor ihm präsen- 
tiren, „item wenn man in der Hofe-Capell vor ihm prediget, müssen sich dreimal vor ihm tiif 
neigen."*®) 

Wenn Jemand, er sei selbst aus den höchsten Ständen, mit dem Könige reden will, so 

*■*) In dem Kapitel, wo der Verfasser der Handschrift die Sitten der Engländer bespricht, sagt er (S. 27. f.) 
Folgendes über das Tabakrauchen: „Sie haben aber auch disen brauch, dasz sie den taback überallemasze gerne und 
viel trincken (trinken und rauchen sind identisch, wie wir weiter unten sehen werden); man sagt, dasz nur in 
Londen allein in die 4000 tabackheuser sein sollen. Dasz ist gewisz, das sie solche necotianam vor ihre höchste 
delicias halten, und reucht ganz Engeland darnach. Auszgenommen die Collegia zu Ochsenfurt (Oxford) und dasz 
Königl. schlosz zue Londen. Denn der König diesem tranck über alle massen gram ist, dasz man kaum glauben 
sol. Hat sein Sprichwort: wenn ich den Teufel zu gast laden müste, wolte ich ihm ein Kaninchen zu fressen und 
taback zu trincken geben. Dannenhero die hofeleut, quibus familiariter cum Rege conversandum est, sich diese» 
trancksz od: rauchs ganz enthalten müssen. Der König hat einen überausz starcken Zoll auf den Taback geschlagen, 
und wenn ein Pfund 3 taler güldig were, musz man 1 thlr davon Zoll geben, derogleichen imposten und onera son- 
sten in ganz Engeland auf kein Ding zue finden. Ja w^eiber und männer pflegen sich solches tranckes zugebrauchen, 
quamquam ego nesciam quare fumus hie potus dicendus sit; also dasz sie sich recht voll daran sauflFen, ut saepe- 
numero vidi. Gemeiniglich aber pflegen sie nach gehaltener malzeit sich darüber zu machen." 

'^) Bei der Beschreibung der Universität Oxford S. 259. sagt Verfasser: „Keinen tabac reucht man in allen 
Collegiis (siehe die vorhergehende Anm.), quod argumento est, studiosos Regem unice diligere; werden auch mit 
dem besten hier gespeiset.** 

^^) Hierbei bemerkt der Verfasser: „omnia meis oculis vidi." 



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14 

muss er auf seine Kniee uiederfallen. Wird dem Könige servirt, oder beim Trinken die Schale 
r.er«halten oder Wasser auf die Hände gegossen, so muss Alles dieses auf eine ehrfurchts- 
vnUe An und' VVe e auf den Knieen verrichtet werden. Aller Augen müsse« auf den Kön g ge- 
richtet sein u^enn er in seinen. Privatgemach Tafel hält, ist es so still, dass kein Mensch 
zu d . a "d rn sich hören lässl, , sondern stehe« alle mit grosser reverentz." Der Konig aber ^ 

ZTLüTJimx Bischöfen laut, so viel wie ihm beliebt, aber auch mit Anderen, wiewohl seltener. 
" D kS gebraucht beim Esse« kein Messer, sondern der Vorschneider schneidet ihm ganz ' 
kleine Bissen, 'die der König mit den Fingern von der Schüssel nimmt. „Er hat gle.chszfalsz 
kelen M dasz Brot isl auch in einer silberne« schachtet gleichsam wie brocken, davon 
i mmet er auch mit den fingern, so vil ihm belibet. glaube dasz alles eroha be,. so sehr zu- 
b ochen und klei« zerschnitten, weil er propter fractam mandibulam «.cht wol «tarck be. sen 
ka« Das Trincken komn.et ihnen (ihn.) sehr schwer an; trincket auch gar wen.g:") Mehr 

"'" tei rr"irgleich«ng der englischen HofkUche mit der französischen sagt er: „Der König 
hat vilmehr Speisen alsz der König in Franckreich, u«dt ist alles köstlich esse« und w^l zu- 
liebe" ist auch gar vil reinlicher alsz am Französischen Hofe.-) Er me.n., lass jahrl.ch 
ITtoInen Goldes l die königliche Küche verwendet würde«; es sei dies zwar viel Geld (un- 
ter de König!« Elisabeth sei zwar noch mehr auf die Tafel verwendet worden) aber es habe 
dafür auch /ein grosses ansehen und erscheinet in keinem Dinge, s« ma.. erdencken kan e.n.ger 

"'""Tann werde« auch 24 Trommeter stetig gehalten, die den König zu tische blasze.,; sie 
brauchen aber quod mir..m videbatur keine kessel, sondern nur schlechte Drummel«." Ausser 
d esen -iebt es «och 24 Musikanten, die täglich nicht weit von des Königs Gemach zu bes mm- 
;„ Stunde und wenn Tafel gehalten wird, musicire«. Der König hält auch ei..e statl.che Garde 
von EtHändern, 300 Mann stark, welche, angetha.. mit einer prachtvolle« In.form be.m kon.g- 
ichen Hofe aufwarten müssen, ,si..d alles grosse baumstarcke so..derlich dazu ausgelesene Tölpel, 
teL «hweizer; wolKe sie auch z..m ersten für Schweizer angesehen haben." D.ese tragen 
rüchltvi erwähnt - die Speisen ftir die königliche Tafel auf; sie haben einen besonderen 
Saal wo sie Wache halten. Es kann Niemand leicht zu des Königs Tafel kommen, .nsbesondere 
Ini-tder^ aber ein Fremder kan« hi«ei«, selbst we«« der König i.. seinem Priva.gemache .ss . 
Die Stelle'n dieser Trabante« sind gleichsam erblich, denn wen« Einer eh. besseres Amt begehrt, 
Zä d eses bekommt, oder überhaupt nicht mehr bei Hofe zu sein wünscht, so kann er seine 
ie euer an eren tauglichen Person verkaufe«, und es soll eine solche Stelle bisweilen 200 und 
metKen gelten. Z^ der jetzigen Zeit warte« diese Trabanten nicht alle beim Kömge auf 
Tondern einige dienen bei der Königin, einige beim jungen Prinzen. Ausser diesen werden «och 

57) Grade das Gegeotheil behauptet Lingard S. 96. 291. u. a. m. a. O. v. Raumer, IV S. 255. Hierbei er- ^ 

zähl, unser Landsmanu noch eine Anecdote vom Könige Jacob, die er, wie es sebeint, nur desshalb h.er .n..hrt, 
le" dTeEntegruldes Königs auf die Antwort des spanischen Gesandten ihm als Deutschen rech. «-.«"««;« 

gel ro he! :J. E^e Zeit lang, sagte er, hat.e der König den «-"''- -"«^'1",^ at^KöTi;.'"! es b i 
LLhe trank einst auf des Königs Gesundheit ein volles Glas Wein aus. Darauf fragte ihn der König. Ist es bei 
d n SpanT:: aTch iTrLch, dass" man gan. austrinket? Der Gesandte antwortete: Nein, ich mache es jet.t auf ^ 

Deutsch. Darauf ervviderte der König: .non ego rationem bibendi, sed fidem Germanon.m amo. 

t.) Von der Reinlichkeit der Franzosen scheint unser Landsmann überhaupt nicht viel ^n halten, wie er an 
mehreren Orten bekundet; siehe auch weiter unten. 



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15 

p^f fünfzig andere gehalten in einem anderen Kostüm, die den König bei seinen Spazierritten beglei- 
ten. Den ganzen Sommer über pflegt der König sich nicht viel zu London aufzuhalten, sondern 
er zieht von einem Orte zum andern. Diese 50 Trabanten sind beritten und haben ihr reichliches 
Auskommen. Die Spiesse (Lanzen), die sie führen, sind vergoldet, aber sie sehen sehr rostig 

V aus, weil das Gold abgegangen, und das Eisen nicht polirt werden darf. 

Den Bericht, den uns hierauf das 3fanuscr. über die Königin giebt, halten wir um so mehr 
einer Mittheilung würdig, weil derselbe einige sehr interessante Notizen enthält, die wir wo 
anders gar nicht einmal angedeutet gefunden haben. Wir lassen ihn hiermit unverkürzt folgen. 

Die Königin, heisst es, schlägt im Sommer in der Regel ihren Hof in Greenwich auf, wel- 
ches ein überaus angenehmer Ort ist mit einem reizenden Schlosse. Sie hat ihre besondere Be- 
amten (officirer), unter denen aber kein Engländer sich befindet. Ihr Hofmeister, 3fylord Sidney, 
und ihr Secretair sind Schottländer; die Uebrigen sind Franzosen und Italiener. Sie ist noch 
sehr schön und von heiterem Gemüth. Einige sagen, sie sei katholisch (Bapstiseh) geworden, 
sie habe einen Italiener, der ihr bisweilen heimlich Messe lese; denn vor dem Könige dürfe sie 
dies nicht wagen. Einige aber sind der Meinung, dass dies nicht der Fall sei; aber das ist ge- 
wiss, dass sie nie mit dem Könige communicirt. Sie hat zwar aus Dänemark einen lutherischen 
Prediger mitgebracht, der ihr bisweilen gepredigt hat, ich glaube aber nicht, dass sie ihn jetzt 
noch braucht, zumal sie keinen einzigen dänischen Diener mehr um sich hat. Der spanische 
Gesandte steht bei ihr in sonderlichen Gnaden, wie man auch auf dem königlichen Balle recht 
deutlich hat sehen können; daher mag es wohl meines Erachtens kommen, dass sich bei Einigen 
über ihre Religion Zweifel erhoben haben. Der König von Spanien hat ihr sehr schön gemalte 
Älarienbilder zugeschickt, die in ihrem geheimen Schlafgemache aufgehängt sind. Soviel hat man 
allerdings gemerkt, dass sie es sehr gern gesehen hätte, wenn der König das Bündniss mit den 
Niederländern aufgegeben hätte; wiewohl ich glaube, dass sie dies mehr wegen ihres Bruders, des 
Königs von Dänemark, der den Niederländern nichts weniger wie freundlich gesinnt ist, als aus 
einer besonderen Zuneigung zu den Spaniern gern gewünscht habe. Indess ist dieses Gerücht 
verbreitet, dass sie die Heirath ihrer einzigen Tochter mit dem Könige von Spanien lieber ge- 
sehen haben würde, als mit dem Churfürsten von der Pfalz. Aber des Königs Wort gilt mehr, 
und sie hat keinen Einfluss auf die Regierung oder auf sonst wichtige Angelegenheiten.^«) Man 
behauptet sogar, dass der König durch den Umgang mit ihr nicht sehr ergötzt werde, aber 
worauf man diese Behauptung gründet, weiss ich nicht anzugeben. Das ist allerdings richtig, 
dass sie nicht viel mit einander verkehren;^") „wie wol die Königin kegen dem Könige sich 
auszbündig artig zu geberden weis." 

Der Königin wird wie dem Könige auf den Knieen servirt, knieend mit ihr geredet, sowohl 
von den Männern wie auch von den Frauen. 

Unser Landsmann äussert aber eine grosse Verwunderung darüber, dass sich die Königin 
ihren Hofstaat grade aus sehr hässlichen Damen gewählt habe, und er bemerkt dabei ganz naiv, 
dass man gewöhnlich von den Engländern sage, dass es schöne Frauenzimmer bei ihnen gäbe, 
was allerdings in gewisser Beziehung wahr sei; aber an der Königin „ Frawenzimmer « sei durch- 

{^ 5«) Das bestätiget auch Lingard S. 97. 

^) Dafür spricht auch das, dass der König fast stets allein, d. i. ohne die Königin zu tafeln pflegte. Manusc, 
S. 195. An weiblicher Gesellschaft fand er nie besonderen Gefallen. Vgl. Lingard a. verschied. Orten und Robert- 
son S. 211. 



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aus nichts Schönes zu finden, obwohl Alle dem Grafen- und Herrenstande angehörten; es scheine, 
als ob man mit Fleiss die „ grewiichsten " ausgesucht habe. In einer Randbemerkung dazu meint 
er, dass dies desshalb geschehe, ne Rex uUius propter Reginam amore capiatur. Obwohl die 
Königin, heisst es weiter, schon ziemlich bei Jahren ist, so kann sich doch Keine, was Schön- 
heit, Anmuth und Bildung anbelangt, mit ihr messen. Sie redet italienisch, französisch, dänisch, 
schottisch und englisch; sie ist eine Frau von vielem Geiste. Wenn aber Einige von ihren Liebes- 
verhältnissen sprechen, so sind diese Reden wohl ungegründet; ^*) denn der König würde doch 
leicht davon Wind bekommen und ihr dergleichen gewiss sehr streng verbieten. 

Zum Schlüsse endlich mag auch noch das eine Stelle hier finden, was uns die Handschrift 
über den königlichen Prinzer. Carl, den Nachfolger Jacobs, mittheilt, wenn auch im Grossen und 
Ganzen ihre Angaben mit denen anderer Schriftsteller übereinstimmend sind. Der junge Prinz, 
heisst es, hat seine Residenz nicht weit von dem königlichen Schlosse, er hat ebenfalls einen 
Hofstaat aus vornehmen Leuten, die ihn „stadilich und Königl. unterweisen.« Die lateinische 
und französische Sprache soll er gut sprechen und noch täglich Unterrichtsstunden darin nehmen. 
Er ist fein von Gesicht, doch sieht er etwas ungesund aus; er ist nicht sonderlich stark von 
Körperbau. Er stösst beim Sprechen etwas mit der Zunge an, doch soll er ganz gut zu ver- 
stehen sein. Im Ringrennen, Reiten und in andern Uebungen soll er sehr gut geübt sein und 
die vornehmen Herren von England sehr auslachen, wenn sie es ihm in den genannten Uebungen 
nicht gleichthun können. Er tanzt alle Tänze mit vorzüglicher Grazie, und sein ganzes Benehmen 
ist sehr gefällig und freundlich. Auch ihm wird standesgemäss servirt. Er hat jederzeit Geist- 
liche um sich, und die Engländer können sich wohl freuen, wenn er zu seinen rechten Jahren 
kommen sollte; er soll dem Kriege abhold sein wie sein Vater, aber nicht so zum Jähzorn incli- 
niren wie dieser. Beim Essen benimmt er sich anständig,®*) er braucht Messer und Gabel. Wenn 
er redet, spricht er frei heraus (ohne Rückhalt) und hat ein starkes Organ. Denjenigen Personen, 
die seinen Vater beständig mit Bitten um Geld anliegen, soll er durchaus nicht geneigt sein und 
es ihnen auch bei passender Gelegenheit ^ unter die nasen zustoszen wissen.'' Den Deutschen 
soll er sehr zugethan sein und von ihnen mehr halten als von seinen eigenen Landsleuten. 

Soviel über den König und seinen Hof. Das, was sich etwa noch hie und da in der Hand- 
schrift als beachtungswerthe historische Neuigkeit oder als abweichend von den Angaben anderer 
bewährter Geschichtsschreiber findet, wollen wir uns für eine spätere Mittheilung aufbewahren. 

Dr. E. Wahner. 



") Dieser Vorwurf mag wohl (wenigstens für die frühere Zeit) doch nicht so grundlos sein, wenn wir hier in 
Betracht ziehen, was uns Robertson über diesen Punkt S. 276. ff. in der Anm. mittheilt. Vgl. Raumer S. 257. 

6») Er will damit sagen, dass er sich anständiger benimmt, als die übrigen Engländer und als sein Vater, der 
ohne Messer und Gabel zu gebrauchen mit den Fingern isst. 

Von den Engländern sagt er an einer andern Stelle (S. 25.): „Geberden sich zum essen so seuisch als die 
Franzosen, und wenn es ihnen nicht zu warm, brauchen sie lieber die feuste alsz die messer.« 



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Schuluachrichten für das Jahr 1856-57. 



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L Uebersicht des ertheilten Unterrichts. 

A. Sprachen. 

L Deutsche Sprache. 

Lehr- und Hülfsbücher: „GrundzUge der neuhochdeutschen Grammatik«, von Friedrich Bauer; 
„Deutsches Leseb.", von Heinrich Bone, I. Th. von Sexta bis Tertia, 2. Th. in Secunda 
und Prima. 

Sexta, 3 St. a) Lesen und Erklären von Musterstücken, Uebungen im mündlichen Vortrage; 
Uebersicht der Laut- und Biegungs-Lehre und der Lehre vom einfachen Satze in fortlaufender 
Beziehung auf den Unterricht im Latein; b) schriftliche Arbeiten, theils Uebungen in der 
Orthographie und in der Satzbildung, theils Nacherzählungen und leichtere Beschreibungen 
umfassend; G.-L. Hab 1er. 

Quinta a., 2 St. a) Lesen und Erklären von Musterstücken, Uebungen im mündlichen Vortrage; 
Uebersicht der Lehre von der Wortbildung und dem zusammengesetzten Satze; b) schriftliche 
Arbeiten, vorzugsweise in Nacherzählungen, Umwandlung kleiner poetischer Stücke in Prosa 
und Beschreibungen bestehend; G.-L. Dr. Wahner. 

Quinta b., wie in Quinta a. Caud. Roehr. 

Quarta, 2 St. a) Erklärung von Musterstücken, Uebungen im mündlichen Vortrage; Uebersicht 
der Lehre von den über- und untergeordneten Sätzen, der Rechtschreibung und der Interpunc- 
tion; b) schriftliche Arbeiten, in Beschreibungen, Erzählungen und kleinen Abhandlungen 
bestehend; G.-L. Dr. Wagner. 

Tertia, 2 St. a) Erklärung von Musterstücken, Uebungen im mündlichen Vortrage; b) kurzge- 
fasste Aufsatzlehre, Uebung im Disponiren, Besprechung der schriftlichen Arbeiten, welche 
vorzugsweise Erzählungen, Beschreibungen und leichte Abhandlungen umfassten; Cand. Roehr. 

Secunda, 2 St. a) Theorie der Poesie, erläutert durch Beispiele von Haller an; b) Beurtheilung 
der Aufsätze, zu denen die Aufgaben folgende waren: l. Berg und Thal, nach Bone S. 531. — 
2. „Jupiter und die Schnecke'', von Hagedorn, verglichen mit „Zeus und das Schaf*, von 
Lessing. — 3. Erklärung und Beispiel zu „Heute mir, morgen dir" und „Er hat die Rechnung 



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ohne den Wirth gemachf*. — 4. Die alle und die neue Welt. — 5. „Die Esel'', von Lesslng^ 
in gereimten Trochäen. — 6. Das Ende des jüngeren Cyrus, nach Xenophons Auabasis. — 
7. In wiefern sind Bücher gute und in wiefern schlechte Gesellschafter? — 8. Est allquld, 
quo tendis et in quod dirigis arcum? A. Pers. Sat. — 9. Warum erwartet man gerade von 
Jünglingen die Tugend der Bescheidenheit? — 10. Ostern nach der bürgerlichen Feier des Festes. — 
11. Wilhelm Teil, nach Schillers gleichnam. Drama. — 12. „Die Axt im Hause erspart den 
Zimmermann'^, Schiller im „Wilh. Teil". — 13. Ueber das Grosse im Character des Julius 
Cäsar. — 14. Zur Auswahl a) Ueber die Kunst zu beobachten; b) Zimmerspruch bei dem 
Richten eines neuen Schulgebäudes. — IS.Gebildet und Ungebildet; (4., 9 und 15. ex tempore 
in der Klasse bearbeitet.) — c)Uebungenim freien Vortrage eigener Arbeilen; Oberl.Dr. Kayssler. 
Prima, 3 St. a) Geschichte der Nationalliteratur von 1725 bis 1825; b) Lesung und Erklärung von 
schwierigeren (abhandelnden, rednerischen, lyrischen und dramatischen) MusterstUcken; 
c) Wiederholung von Hauptstücken der Rhetorik, namentlich „über die Erfindung" und dabei 
gelegentliche Belehrung über das Wesentlichste aus der philosoph. Propädeutik, Besprechung 
der Aufsätze, zu denen die Aufgaben folgende waren: 1. Ueber zweckmässige Einrichtung 
eines Tagebuches. (Abhandl. nach einer Disposit. von Herzog.) — 2. Auch das Genie darf 
die Theorie nicht missachten. (Abhandlung nach einem Gespräch von Engel.) — 3. Die Fabel 
des lessingschen Trauerspiels „Philotas'*. — 4. Ueber Wahrheit und Wahrscheinlichkeit der 
Kunstwerke. (Abhandl. nach dem gleichnam. Gespräche von Goethe.) — 5. Das Masz unserer 
Begierden ist das Masz unseres irdischen Glücks und Unglücks. (Abhandl. nach einem Bruch- 
stück einer „hl. Rede" von 3Iosheim.) — 6. Das Wasser Im Haushalte der \atur und der 
Menschen. (Kurze Abhandl. nach einem vorgeles. Aufsatze von F. Brandes.) — 7. „Wenn die 
Wässerlein kämen zuhauf. Gab' es wohl einen Fluss. Weil jedes nimmt seinen eignen Lauf, 
Eins ohne das andere vertrocknen muss". Rückert. — 8. „Der brave Mann denkt an sich selbst zu- 
letzt; Vertrau' auf Gott und rette den Bedrängten!" Schiller im „Wilh. Teil". — 9. Fünfzehn 
Distichen aus gegebenem Stoffe. (Metr. Uebung.) — 10. Das Leben des Menschen In seiner 
Aehnlichkeit mit einem Strome dargestellt. (Mit Benutzung von Krummachers Parabel „der 
Rhein", Herders Lied vom Bache", Fr. Stolbergs „Felsenstrom" und Goethes „Mahomets Ge- 
sang".) — 11. Wie äussert sich der Undank und aus welchen Quellen enspringt er? (3., 7, 
und 11. ex tempore in der Klasse bearbeitet.) — d. Uebung im freien Vortrage eigener Ar- 
beiten; Oberl. Dr. Ochmann. 

Die Fristen für die Einlieferung der schriftlichen (häuslichen) Arbeiten waren in den 
beiden unteren Klassen wöchentliche, in den mittleren zweiwöchentllche, in Secunda 
drei- und in Prima vier wöchentliche. Ausserdem wurden in allen Klassen von Zeit zu 
Zeit Extemporalien in der Klasse geschrieben. 

8. Lateinisclie Sprache. 

Lehrbücher: „Kleine lateinische Sprachlehre etc.", von Dr. Ferd. Schultz, in Sexta, Quinta 
und Quarta, „Lat. Gramm, für unt. und mittl. Gymnasialclassen etc.", von Dr. C. E.Putsche, 
in Tertia, „Grössere lat. Gramm.," von Dr. C.E. Putche, in Secunda und Prima. HUlfs- 
bücher: „Elementarbuch der lat. Sprache für die ersten Unterrichtsstufen", von J. A. 
Dünnebier, L Curs. in Sexta, „Uebungsstücke z. Uebers. a. d. Deutschen ins Latein.", von 
Fr. Beeskow, und „Uebungsstücke z. Uebers. a. d. Lat. ins Deutsche", von E. Bonnell, in 






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Quinta, „Aufgaben z. Uebersetzen ins Lat. behufs Einüb. der dement. Syntax", von Dr 
Aug. Haacke, in Quarta, „Aufgaben z. Uebers. a.d. Deutsch, ins Lat.", von E. Dronke, in Ter- 
tia, „Anleitung zum Uebersetzen a. d. Deutsch. In das Lat." von Dr. R. Kühner, 2. Abth., 
in Secunda, „Materlallen z. Uebersetzen a. d. Deutsch, ins Lat.", von Dr. Moritz Seyffert; 
ausserdem: Vocabula lat. linguae primitlva, von Fr. Wiggert, in Sexta, Quinta u. Quarta. 

Sexta, 10 St. a) Die Formenlehre bis zum Verb. anom. ; b) mündliche und schriftliche Uebersetzun- 
gen; c) Erlernung der mit 35^, :^ und 1 bezeichneten Vocabeln a. W.; d) wöchentliche Ex- 
ercltlen und (In Allen 18) Extemporalien; G.-L. Habler. 

Quinta a., 10 St. Beendigung der Formenlehre, b) Uebungen Im Uebersetzen aus d. Deutschen 
ins Lateinische und umgekehrt; c) Erlernung der mit 2 bezeichneten Vocabeln a. W. mit 
Wiederholung der früher gelernten; a) wöchentliche Exercltien und (i. A. 12) Extemporalien; 
G.-L. Dr. Wahn er. 

Quinta b., wie In Quinta a. Cand. Roehr. 

Quarta, 10 St. A. Grammatik: a) Die Lehre von dem Gebrauche der Casus, der Adjectlva, 
Zahlwörter und Pronomina; b) mündliche Uebersetzungsübungen aus dem Deutschen Ins La- 
teinische; c) Erlernung der mit 3 bezeichneten Vocabeln a. W. mit Wiederhol, der früher ge- 
lernten und weiterer Ausführung der Wortbildungslehre; d) wöchentliche Exercltien und (I.A. 
22) Extemporalien; 7 St., Oberl. Dr. Kayssler; B. Autor: Corn. Nep. Arlstldes, Pausanlas, 
Clmon, Alclblades, Conon, Epamlnondas, Pelopldas, Agesilaus; 3 St., G.-L. Hab 1er. 

Tertia, 10 St. A. Grammatik: a) Die Lehre von dem Gebrauche der Tempora und Modi; b) 
mündliche und schriftliche Uebersetzungsübungen aus dem Deutschen Ins Lateinische: c) Me- 
morlren von Musterstücken (Caes. De B. G. L c. 1—4., 13— 18., 31., 44.); d) wöchentliche 
Exercltien und (1. A. 25) Extemporalien; B. Autoren: a) Caes. De B. G. L uud IL; b) Ovld. 
Metamorph. V. 1—249., 346— 571.; VL 146— 381.; VH. 1—215., in Verbind, mit metr. Uebungen 
nach Seyfferts „Pal. Mus."; G.-L. Dr. Res 1er. 

Secunda, 10 St. A. Grammatik: a) Wiederholung und weitere Ausführung der Lehre vom Verbum, 
dann die Lehre von den Partikeln; b) mündliche Uebersetzungsübungen; c) Memorlren der 
„Narratlo" a. Clceros Rede für d. S. Rosclus a. Am. (L 6-12.); d) wöchentliche Exercltien und vler- 
wöchentliche Extemporalien, nach Ostern (im ob. Cursus) Versuche in freien Aufsätzen, zu denen die 
Aufgaben folgende waren: I. Quae de Helena ab Alexandro rapta sacerdotes Aegyptil Herodototradl- 
derunt, brevlter narrantur. — 2. Psammltichus, ut cognosceret, quinam f ulssent omnlum homlnum 
prlml, quid machinatus sit, Hcrodoto auctore exponltur. — 3. Foedus Inter Philippum, Älace- 
donum regem, et Hannibalem hello punico secundo Ictum Llvlo auctore exponltur; B.Autoren: 
a) Clc. Or. pro S. Rosclo Amer.; b) Vlrgll. Aen. IL; Horat. Od. L 1—4., 6— 12., 14.; ausser- 
dem Uebungen Im Lesen der horaz. Metra und Im Anfertigen von Hexametern, elegischen 
Distichen und jambischen Senarlen nach Seyfferts „PaL Mus."; Oberl. Dr. Ochmann. 

Prima, 8 St. A. Stil: Wiederholungen aus der Syntax, dann Stilistisches in Auswahl nach 
Nägelsbachs „L. Stilistik für Deutsche" und Seyffert's „SchoL Lat."; b) wöchentliche Exercltien, 
öftere Extemporalien, Sprechübungen mit Benutzung früher memorlrter Stellen, Censur der 
dreiwöchentlich gelieferten Aufsätze, zu denen die Aufgaben folgende waren: 1. Romanos 
malls demum edoctos parem Hanniball ducem Q. Fablum Maximum delegisse Llvlo duce osten- 
dltur. — 2. Quo Iure Llvius Marcellum Capuam Hanniball Cannas fulsse dlcentem fecerlt, 
historla teste probatur. — 3. Quo iure 'post canneusem illam calamltatem prlmum Marcelli ad 

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Noiamproeliopopulus se Romanus erexisse' dicatur, Livio auctore docetur. — 4. Quibus deinceps 
quasi gradibus faclis respublica Romana in dominationem unius concesserlt, exponitur. — 
5. Hannibalis in Italiam invadentis spei quam non responderit eiusdem inde discessus, LIvlo 
duce explicatur. — 6. 'Et nomen pacis dulce est et ipsa res salutaris. Cicero, — 7. Cn. 
Pompelus Magnus plurimum gloriae non tam suis ipsum virtutibus imperatoriis quamfortunae 
debuisse historia teste comprobatur. — 8. Divitias plura afferre pericula virtuti quam pauper- 
tatem comprobatur. — 9. Achilles quam non fuerit magnanimus, Homero duce exponitur. — 
10. Ouantus Achillis vel moeror ac luctus vel honor Patroclum mortuum prosecutus slt, 
Homero duce ostenditur. — 11. Quibus deinceps rebus tentata Achlllls ira ac pervicacia sit 
victa tandem, Homero auctore exponitur. — 12. Cur dubitari nequeat, quin fuerint ante Ho- 
meruni poetae, ostenditur. — 13. Quae fuerint apud Romanos eloquentiae praemia proposita, 
quum aliorum, tum Ciceronis exemplo declaratur. — 14. Romani cur cratorem celeriter am- 
plexi, philosophiam usque ad Ciceronis aetatem aspernati esse videantur, praecipuae afferuntur 
causae. — 15. Romani cur in poetica multo minus profecisse videantur quam Graeci, Horatio 
duce exponitur. — 16. M. Tullius Cicero qui factum sit, ut sua eloquentia superiorum oratorum 
laudem dicendi longe superaret, ipsius de ea re significationibus adhibitis exponitur. (Ex tem- 
pore in der Klasse bearbeitet 4., 7., 10., 13., 16.); B. Autoren: a) Cic. Brut. 1—44., aus 
dem Folgenden einzelne Abschnitte ex tempore: 5 St., der Director; b) Horat. Od. IUI., 
Carm. saec, Epod. mit Auswahl, Epist. I. 1 — 15.; 3 St., Oberl. Dr. Kayssler. 

Privatim lasen unter Leitung des Ordinarius die Schüler des oberen Cursus der Se- 
cunda Cäsars Commentarien vom gall. Kriege, die der Prima Reden oder leichtere philosoph. 
Schriften von Cicero. 

3. Griechische Sprache. 

Lehrbücher: „Gr. Sprachlehre für Anfänger", von K. W. Krüger, in Ouarta, Tertia und Se- 
cunda, „Gr. Grammatik'', von Ph. Buttmann, in Prima. Hülfsbücher: „Uebungsbuch 
zum üebersetzen aus dem Griech. ins Deutsche und aus dem Deutsch, ins Griech.", von 
Fr. Spiess, in Ouarta, „Uebungsbuch für den ersten Unterricht in der griech. Spr.", von 
H. Hottenrott, in Tertia, „Anleitung zum Üebersetzen a. d. Deutsch, in das Griech.", von 
Dr. V. Chr. Fr. Rost und Dr. E. Fr. Wüstemann (1. Th., 2. Curs.), in Secunda, „Aufgaben 
z. Uebers. in das Griech. etc.", von Dr. Fr. Mehlhorn, in Prima; ausserdem „Griech. Voca- 
bularium in etymol. Ordnung", von J. Rott, in Tertia. 

Quarta, 6 St. a) Die Formenlehre bis zum Verb, in /iz; b) Uebungen im üebersetzen aus dem 
Deutschen ins Griech. und umgekehrt mit Elnprägung der Vocabeln; c) wöchentliche Exerci- 
tien und (i. A. 8) Extemporalien; Oberl Dr. Kayssler. 

Tertia, 6 St. A. Grammatik: a) Beendigung der Formenlehre (§. 36—42.); b) Uebersetzungs- 
übungen aus dem Deutschen ins Griechische und umgekehrt; c) Erlernung von Vocabeln aus 
Rott („Wurzeln und solche Wörter, in denen der Schüler nach dem gewöhnlichen grammat. 
Verfahren am leichtesten die Wurzel erkennt".); d) wöchentliche Exercitien und (i. A. 15) 
Extemporalien; B. Autoren: a) Xenoph. Anab. L 3 — 10.; b) Hom. Od. I. 1 — 212.; G.-L. 
Dr. Resler. 

Secunda, 6 St. A. Grammatik; a) Wiederholung und Ergänzung der Formenlehre, namentlich des 
Ionisch- Dialektischen und der Lehre von der Wortbildung, dann Syntax (§. 43—51.); 



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b) zweiwöchentliche Exercitien und sechswöchentliche Extemporalien; B. Autoren: a) Herod. IL 
mit Uebergeh. einiger die Erzählung unterbrech. Beschreibungen ; 4 St., OberL Dr. Ochmann; 
b) Hom. Od. IUI— V.; 2 St.; der Director. 
Prima, 6 St., A. Grammatik: a) Syntax (§. 134—139.); b) zwei wöchentliche Exercitien, Extem- 
poralien; B. Autoren: a) Thucyd. IL 1—48.; b) Hom. IL XVIIL, XXIIL; Eurip. Med. 1—615.; 
der Director. 

4 Französische Sprache« 

Lehrbücher: „Praktische Vorschule der französ. Sprache", von Dr. H. Probst, in Quinta 
„Französ. Schulgramm, für Gymnas. und Progymnas.", von Dr. H. Knebel, in den folgenden 
Klassen. Hülfsbücher: „Anleitung zur Erlernung der französ. Sprache", von Dr. Ph. 
Schifflin, in Quarta, „Prakt. Lehr- und Leseb. für die untersten Stufen des Unterrichts in der 
französ. Sprache.", von L. Villatte, in Tertia, „Franz. Leseb. für die mittl. Klassen der 
Gymnas. und Realschulen", von Dr. F. H. J. Albrecht und J. Simon, in Secunda, „Franz. 
Chrestom. für die ob. Klassen von Gymnas. und and. höh. Lehranstalten", von Dr. L. Süpfle, 
in Prima. 

Quinta a., 3 St. a) Das Wichtigste aus der Grammatik mit Auschluss der Lehre von den Für- 
wörtern; b) mündliche Uebersetzungen aus dem Französ. ins Deutsche und umgekehrt; c) 
wöchentliche Exercitien, Extemporalien; G.-L. Dr. Wagner. 

Quinta b., wie in Quinta a. Cand. Roehr. 

Quarta, 2 St. a) Die Formenlehre bis zu den Verb. Irrög.; b) mündliche Uebersetzungen aus dem 
Deutschen ins Französ. und umgekehrt; c) wöchentliche Exercitien, Extemporalien; G.-L. 
Dr. AVagner. 

Tertia, 2 St. A. Grammatik: a) Unregelmässige Verben, Adverbien, Präpositionen, Conjunctionen 
und Interjectionen ; b) mündliche Uebersetzungen aus dem Deutschen ins Französische; c) 
wöchentliche Exercitien, Extemporalien; B. Leetüre: Zusammenhängende Lesestücke, No. 1-20. 
des Leseb.; G.-L. Dr. Wagner. 

Secunda, 2 St. A. Grammatik: a) Syntax und zwar von den Artikeln ; Gebrauch der Casuszeichen; 
vom Adjectiv; von den Fürwörtern; vom Zeitworte; Inversion; Bemerkungen über einzelne 
Partikeln; b) zweiwöchentliche Exercitien, Extemporalien; B. Leetüre: Beschreibungen und 
Schilderungen, geschichtliche Darstellungen, Gedichte (S. 46—76. und 131—152. des Leseb.; 
G.-L. Dr. Resler. 

Prima, 2 St. A. Grammatik: a) Von dem Gebrauche des Infinitivs u. Particips; von den unver- 
änderlichen Sprachtheilen; von der Wortfolge; von der Rechtschreibung, eingeübt durch ent- 
sprechende Beispiele insbesondere aus den „Materialien" von J. de Lucenay und D; Meyer; 
b) zweiwöchentliche Exercitien, Extemporalien; B. Leetüre: Süpfle etc.: Histoire (proprement 
dite), No 3-- 7., 10 — 15.; ex tempore: Poesie epique. A. Fahles 1 — 5. und die ersten drei 
Scenen von Le Cid, Tragödie par Corneille (S. 45—63., 76—108., 325—331., 431—438.); 
G.-L. Dr. Resler. 

5. Hebräische Sprache. 

Lehrbuch: „Hebr. Grammatik", von W. Gesenius. 
Hülfsbuch: „Hebr. Lesebuch", von W. Gesenius. 



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Secunda, 2 St. 1. Für die untere Abtheilung: a) Elementarlehre, Formenlehre bis zu dem unre- 
gelmäss. Verbum; b) Leseübungen; 1 St. — 2. Für die obere Abtheilung: a) Verba irreguL, 
das Nomen und die übrigen Redetheile; b) üebersetzung und Erklärung von Mos. I. c. 8.; l 
St., Religionsl. Huss. 

Prima, 2 St. a) Wiederholung der Formenlehre und Erklärung der wichtigsten syntact. Regeln; 
b) dreiwöchentliche Exercitien; c) üebersetzung und Erklärung von Mos. I. c. 42—44., Sara, 
c. 17., Ps. 8., 19., 29., 104.; derselbe. 

(• Polnisehe Sprache. 

Lehrbuch: ^J. Poplinskis Grammatik der poln. Spr.". Hülfsbuch: „\auka o swiecie", von 

A. Kiszewski. 
Tertia, 2 St. a) Grammatik bis zum Fürworte; b) Uebersetzungen aus dem Polnischen ins Deutsche 

nach dem Anhange zur Gramm., Uebung polnischer Redensarten; c) schriftliche Arbeiten; 

Kaplan Licentiat Swientek. 
Secunda und Prima comb., 2 St. a) Wiederholung der Grammatik bis zum Zeitworte, dann die 

Lehre vom Zeitworte; b) üebersetzungsübungen aus der „\auka etc." ; c) schriftliche Arbeiten, 

(Extemporalien und Aufsätze); derselbe. 

B, Wissenschaften. 

I. Religionswissensebaft 

1. Für die katholischen Schüler. 

Lehrbücher: „Römisch-Katholischer Katechismus für die Schulen der Breslauer Diöcese", und 
„BibL Geschichte des a. und n. Test, für kath. Schulen'^, von Dr. J. Kabath, in Sexta und 
Quinta, „Leitfaden für den katholischen Religionsunterricht in den mittleren Classen höherer 
Lehranstalten," von J. Dubelmann, in Quarta und Tertia, „Lehrbuch der katholischen Re- 
ligion für höhere Lehranstalten", von Dr. K. Martin, in Secunda und Prima. 

Sexta, 3 St. a) Das erste Hauptstück oder: Vom Glauben; b) Bibl. Geschichte von der Schöpfung 
bis zu den Richtern; Religionsl. Huss. 

Quinta, 3 St. a) Von der 10. Lection des i. Hauptstücks bis zum 4. Hauptstück; b) Bibl. Ge- 
schichte von den Opfern und Festen des Israelit. Volkes bis zum Propheten Jonas; derselbe. 

Quarta, 2 St. Der katholische Glaube, 1. Th. des Lehrb.; derselbe. 

Tertia, 2 St. Die Lehre von den Gnadenmitteln und von den Geboten, 2. Th. des Lehrb.; derselbe. 

Secunda, 2 St. Die katholische Glaubenslehre von „Gott dem Schöpfer" bis „Gott d. Vollender"; 
derselbe. 

Prima, 2 St. a) Einleitung in die katholische Sittenlehre, dann die Lehre von dem gottgefälligen 
Leben des Christen in seiner Stellung zu Gott und zu dessen unmittelbarer Stellvertreterin, 
der Kirche; b) Kirchengeschichte von Gregor VII. bis auf unsere Zeit; derselbe. 

Ausserdem ertheilte der Religionslehrer Huss vom November 1856 ab in besonderen 
Stunden Beichtunterricht und führte 33 von den Schülern, welche an diesem Theil genommen 
hatten, am 17. 3Iai 1857 zum Tische des Herrn. Auch hielt derselbe an Wochentagen die 
Morgenandacht, sowie an Sonn- und Festtagen den Früh- und Nachmittags-Gottesdienst ab. 






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2. Für die evangelischen Schüler. 

Lehrbücher: „Biblische Geschichten", von A. E. Preuss, in Sexta und Quinta, „Dr. Martin 
Luthers kleiner Katechismus", von Sexta bis Tertia. 

Sexta und Quinta comb., 2 St. a) Biblische Geschichte des A. T. bis zur Theilung des Reichs; 
b) Katechismus: Das 1., 2. und 3. Hauptstück memorirt und die Gebote erklärt; c) die Epi- 
steln gelernt und erklärt, dazu die zu den Hauptstücken gehörigen Sprüche nebst einigen 
Kirchenliedern; Prediger Syring. 

Quarta und Tertia comb., 2 St. a) Erklärung des 2. und 3. Hauptstückes; die dazu gehörigen 
Sprüche memorirt und einige Kirchenlieder gelernt; b) Kurze Erzählungen aus der Kirchen- 
geschichte; derselbe. 

Secunda, 2 St. Heilige Geschichte: Das alte Testament bis auf Christus; derselbe. 

Prima, 2 St. a) Der Römerbrief im Urtext gelesen und erklärt; b) Kirchengeschichte bis zum 
Augsburger Bekenntniss; derselbe. 

2. Mathematik. 

Lehrbücher: „Aufgaben für das theoretische und praktische Rechnen", von Dr. H.Schellen, von 
Sexta bis Quarta, „L. Kambly's Elementar-Mathematik", in den entsprech. Theilen von 
Quarta bis Prima. 

Sexta, 4 St. a) Die vier Species mit ganzen, unbenannten und benannten Zahlen und in Brüchen; 
b) Kopfrechnen; c) schriftliche Arbeiten; Oberl. Peschke. 

Quinta a., 4 St. a) Bruchrechnung (Wiederholung); Decimalbrüche ; geometrische Verhältnisse u. 
Proportionen und darauf beruhende Rechnungsarten, Zins-, Termin- oder Zeitrechnung und 
Kettenregel; b) schriftliche Arbeiten; derselbe. 

Quinta b., 4 St. a) Wiederholung der Rechnungen mit gewöhnlichen Brüchen ; Decimalbrüche ; Pro- 
cent-, Gewinn- und Verlust-, Zins-, Rabatt-, Termin- und Vertheilungsrechnung, Alles mittels 
des Schlusses durch die Einheit; Kettenregel; b) Uebungen im Kopfrechnen; c) schriftliche 
Arbeiten; Cand. Roehr. 

Quarta, 3 St. a) Rechnen: Gesellschafts-, Vermischungs-, Gewinn- oder Verlust- und Thara- 
Rechnung, Wurzelausziehen des 2. und 3. Grades aus ganzen und gebrochenen Zahlen; b) 
Geometrie: Einleitung, die Lehre von den geraden Linien und Winkeln, von den Figuren und 
Triangeln und deren Congruenz; c) schriftliche Arbeiten; Oberl. Peschke. 

Tertia, 3 St. a) Arithmetik: Die Lehre von den absoluten und relativen Zahlen bis zur Radizi- 
rung ausschliesslich; b) Geometrie: Von den Vierseiten, insbesondere den Parallelogrammen, vom 
Kreise und dem Flächenraume geradliniger Figuren; c) schriftliche Arbeiten; Cand. Roehr. 

Secunda, 4 St. a) Arithmetik: Die Lehre von der Potenzirung und Radizirung, Rechnung mit 
Wurzelgrössen, Bestimmungsgleichungen des 1. Grades mit einer und mehreren unbekannten 
Grössen; b) Geometrie: Proportionalität gerader Linien, Aehnlichkeit geradliniger Figuren, 
Berechnung der Seiten regulärer Polygone, Berechnung des Kreises, Aufgaben aus der rech- 
nenden Geometrie; Stereometrie bis zur Lehre von den Ecken; c) schriftliche Arbeiten; 
Oberl. Peschke. 

Prima, 4 St. a) Arithmetik: Die arithmetischen und geometrischen Reihen, die Zins-Zins-Rechnung u. 
Renten-Rechnung, die Combinationslehre, der binomische Lehrsatz; b) Geometrie: Anwendung 



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25 



der ebenen Trigonometrie auf vielseitige Figuren und Uebungsaufgaben ; c) mathemat. Geographie; 
d) schriftliche Aufgaben; derselbe. 

Die schriftlichen Arbeiten waren von Sexta bis Tertia wöchentlich, in Secunda zwei- 
wüchentlich und in Prima dreiwöchentlich zu liefern. 

3. Physik. 

Lehrbuch: „Leitfaden für den Unterricht in der Physik«, von A. Trappe. 

Secunda, 1 St. Die allgemeinen Eigenschaften der Körper und der flüssigen insbesondere; 

Oberl. Pesehke. 
Prima, 2 St. Die mechanischen Eigenschaften fester Körper, die Lehre vom Schalle, chemische 

Erscheinungen; derselbe. 

4. Naturbeschreibung. 

Lehrbuch: „(irundriss der Naturgeschichte des Thier-, Pflanzen- und Mineralreichs", von S. 

Schilling. 
Tertia, 2 St. Zusammenhangende Uebersicht der beschreibenden Naturwissenschaften; G.-L. Dr. 

Wagner. 

5. Geographie und Geschichte. 

Lehrbücher: a) Für die Geographie: „Leitfaden für den Unterr. in der Geogr.'', von Dr. H. A. 
Daniel, in Sex! a und Ouinta; b) für die Geschichte einschliesslich der Geographie: „Grundriss 
der Geogr. und Gesch. der alten, mittleren und neuern Zeit für die mittleren Klassen der Gym- 
nasien^, von W. Pütz, I. Ablh., in Ouarta, „Grundriss der Deutsch. Geschichte mit geogra- 
phischen Uebersichten für die mittleren Klassen der Gymnasien", von W. Pütz, in Tertia, 
„Grundriss der Geogr. und Gesch. der alten, mittlem und neuern Zeit für die ob. Klassen höh. 
Lehranstalten'', von W. Pütz, in Secunda und Prima. 

Sexta, 3 St. Vorläufige Erläuterungen aus der mathemat. und polit. Geographie, übersichtl. Be- 
trachtung der Erdtheile, Oceanographie; Geographie von Preussen und insbesondere von 
Schlesien; G.-L. Habler. 

Quinta a., 3 St. Geogr. von Europa, ausführlicher von Deutschland, dann von den aussereurop. 
Erdtheilen in polit. und phys. Hinsicht; G.-L. Dr. Wahn er. 

Ouinta b., wie in Quinta a. G.-L. Dr. Wagner. 

Quarta, 3. St. Geschichte der Griechen und Römer mit dem Nöthigen aus der Geogr.; G.-L. Dr 
W a g n e r. 

Tertia, 3 St. Geschichte Deutschlands mit besond. Berücksichtigung der brandenburgisch-preussi- 
schen; G.-L. Dr. Wagner. 

Secunda, 3 St. Alte Geschichte: Die histor. Völker Asiens und Afrikas; Gesch. der Griechen und 
Gesch. der Römer bis zu den Gracchen mit dem jedesmal entsprech. geograph. üeberblick des 
Schauplatzes der Ereignisse; G.-L. Dr. Wahner. 

Prima, 3 St. Neuere Geschichte von 1648 ab mit besond. Berücksichtigung der preussischen; 
Wiederholung der alten und mittleren Geschichte mit dem Nöthigen aus der Geographie; 
G.-L. Dr. Wahn er. 



C. Technische Fertigkeiten, 



1. Schönschreiben. 

Uebungen nach Vorlegeblättern; Schreib- und Zeichnenlehrer Buffa. 



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Sexta, 3 St. 
Quinta, 3 St. 

2. Zeichnen. 

Sexta, 2 St. Erklärung der Formenlehre mit Benutzung der depuis'schen 3Iodelle; Schreib- und 

Zeichnenlehrer Buffa. 
Quinta, 2 St. Anfänge im Schattiren an Blumen, Landschaften und Köpfen; derselbe. 
Quarta, 2 St. Vollständiges Schattiren an Blumen, Landschaften, Köpfen und Thieren; derselbe. 

Tertia, 1 St ) Fortsetzung früherer Uebungen mit Bleistift, Kreide oder 

Secunda und Prima comb., 1 St. j Tusche; derselbe. 

3. Gesang. 

Lehrbuch: „Praktische Chorgesangschule", von H. M. Schletterer. 

Sexta, 2 St. a) Die Lehre von den Intervallen, die Kenntniss der Dur- und Taktarten, so wie 
der auf das Tempo und den Vortrag sich beziehenden Ausdrücke und Zeichen; b) Einüben 
von Chorälen und Liedern aus B. Hahns „Kirchengesängen" und B. E. Philipps „Turnliedern« ; 
Gesangl. Kothe. 

Quinta, 1 St. a) Wiederholung der Elementarlehre, die Molltonarten; b) Einüben zwei- und drei- 
stimmiger Lieder aus Erk's „Sängerhain" (I. H.) und Hahns „Kirchengesängen" ; derselbe. 

Quarta, I St. Einüben dreistimmiger Gesänge aus Erks „Sängerhain" (2. H.) unl einer Auswahl 
von Turnliedern von Stunz und Sattler; derselbe. 

Tertia, 1 St. Einüben leichter vierstimmiger Chöre und Gesänge von Romberg, Schnabel, Möh- 
ring, Otto u. A.; Belehrung über die Stamm- Akkorde und kurze Uebersicht der Kunstgeschichte 
in Biographieen vorzüglicher Meister nach Brendel; derselbe. 

Alle Klassen comb, (geübtere Schüler), l St. Eingeübt wurde die „Glocke" von Romberg, die „Schöpfung" 
von Haydn, „Athalia" von Mendelssohn, mehrere Chöre von Seyfried, J. P. Schulz, B. Klein u. 

>•' derselbe. ^ Gymnastik. 

Die gymnastischen Uebungen wurden, wie bisher, von dem Turnlehrer Hielscher während 
der Wintermonate wöchentlich zweimal, jedesmal durch zwei Stunden, abgehalten, von denen je 
eine für den Unterricht der einen von zwei Abtheilungen der sämmtlichen Turner bestimmt war. 
Die Sommer-Turnübungen fanden ebenfalls in zweimal zwei Stunden statt, beide Male für alle 
Turnzöglinge zusammen. Die Zahl der an den Uebungen theilnehmenden Schüler belief sich im Winter- 
Semester auf 260, im Sommer-Semester auf 360. Ein Schauturnen wurde am 15. August abgehalten. 

n. Verordnungen der hohen Behörden 

von allgemeinerem Interesse. 

Vom 28. October 1856. Auf Grund einer von dem Königlichen Ministerium der geistlichen, Unter- 
richts- und Medicinal-Angelegenheiten über das Resultat, welches nach den eingereichten Gut- 

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27 



achten der Königlichen wissenschaftlichen Prüfungs-Cominission die Abiturienten -Arbeiten 
der schlesischen Gymnasien vom Jahre 1855 im Allgemeinen gehabt haben, erlassenen Ent- 
Scheidung werden die Directoren und Lehrer -Collegien aufgefordert, ihrerseits mit Eifer und 
Entschiedenheit dahin zu wirken, dass die Abiturienten-Arbeiten mit den Forderungen des PrU- 
fungs- Reglements vom 4. Juni 1834 und den späteren ministeriellen Bestimmungen mehr Im 
Einklänge*' stehen. Als Hauptgrund der Mangelhaftigkeit jener Arbeiten wird, abgesehen von 
unzulänglicher und ungründlicher Ausbildung in den unteren und mittleren Klassen, so wie 
von zu Vosser Nachsicht bei den Versetzungen, Milde bei der Beurtheilung der Abiturienten- 
Arbeiten ''seitens der betretfenden Censoren angeführt, da diese Milde nur nachtheilig auf die 
Erzielung guter Arbeiten wirken könne. 

Vom 2. December. Das Königliche Provincial-Schul-Collegium genehmigt das auf desfallsige Ver- 
anlassung von dem Director im Einverständniss mit dem Testaments-Executor Herrn Erzpriester 
und Pfarrer Gleich für die Vertheilung des Professor Anton Schnaubeltschen Stipendiums 
(S. die Chronik.) entworfenen und eingereichten Statuts. 

Vom 20. April 1857. In Betreff der Ferien werden die Verfügungen vom 27. Juni und vom 6. Juli 
1853 in Erinnerung gebracht, einige die Ausführung dieser Verfügungen betreffende nähere 
Bestimmungen erlassen und der Direction aufgegeben, eine Uebersicht sämmtlicher ordnungs- 
massiger Ferien des Jahres zu weiterer Mittheilung an das Königliche Ministerium einzureichen. 

Vom 27. April. Das Königliche Provincial-Schul-Collegium macht Mittheilung, dass Seine Majestät 
der König die Gründung einer Hülfslehrerstelle bei dem hiesigen Gymnasium mit einer vom 
Jahre 1857 ab zahlbaren Besoldung von 360 Rthlr., so wie die Erhöhung der Remuneration 
des evangelischen Religlonslehrers von 80 Rthlr. auf 100 Rthlr. vom Jahre 1856 ab zu ge- 
nehmigen geruht haben. Die Verwaltung der neu gegründeten Hülfslehrerstelle wird vorläufig 
dem bereits an der Anstalt beschäftigten Candidaten Roehr übertragen. 

Vom 4. Mai. In Betreff der geschichtlichen und geographischen Lehrbücher wird unter Mittheilung 
des Ministerial-Erlasses vom 28. April, nach welchem der Unterricht in der Geschichte und 
Geographie in allen Klassen an einen gedruckten Leitfaden sich anzuschllessen hat, die Zahl 
der^für die aufeinanderfolgenden Klassen einer Anstalt zu bestimmenden Lehrbücher oder 
Leitfäden eben so In der Geographie wie In der Geschichte auf zwei zu beschränken und den 
nebeneinander danach unterrichtenden Lehrern ein möglichst übereinstimmendes Verfahren In Be- 
nutzung derselben zur Pflicht zu machen, endlich auch bei der Wahl der den Schülern zum 
Nachlesen zu empfehlenden Bücher besondere Rücksicht auf die Sphäre des Schulunterrichts und 
auf das Bedürfniss des Jugendalters zu nehmen Ist, die Direction aufgefordert, falls etwa ein 
Handbuch der Geschichte für die oberen Klassen an der Anstalt noch nicht eingeführt sela 
sollte, baldigst ein geeignetes in Vorschlag zu bringen, besonders aber darüber zu wachen, 
dass die In dem Erlasse gestattete Notlrung einzelner Ergänzungen oder Berichtigungen auf 
das Nothwendlgste beschränkt und nicht zur Wiedereinführung des ganz zu beseitigenden 
Hefteschreibens benutzt werde. 

Vom 12. Mal. Zur Erzlelung einer Vereinfachung und grösseren Ueberelnstlmmung der Unterrichts- 
mittel Innerhalb derselben Provinz werden auf Veranlassung des Königlichen Ministeriums der 
geistlichen, Unterrichts- und Medlclnal-Angelegenhelten unter Hinweisung auf frühere die Ein- 
führung von Schulbüchern betreffende Verfügungen die Fälle näher bezeichnet, in welchen es 
Behufs der Einführung eines Buches für ein Gymnasium oder Progymnasium eines besonderea 



Antrages bedarf, oder ein solcher nicht weiter erforderlich ist. Ein genaues Verzeichniss 
sämmtlicher an der Anstalt eingeführten Lehrbücher und sonstiger Hülfsmlttel des Unterrichts 
Ist, nach den Klassen-Stufen geordnet, in das nächste Programm aufzunehmen. 
Vom 18. Mai. Unter Mltthellung eines Erlasses des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrlchts- 
und Medlclnal-Angelegenhelten, werden die Directoren der Gymnasien aufgefordert, diejenigen 
noch auf den Gymnasien befindlichen jungen Leute, welche sich dem Studium der Rechtswis- 
senschaft widmen wollen und hierzu weder die erforderlichen Anlagen noch die nöthlgen 
Mittel besitzen, darauf aufmerksam zu machen, dass sie nur nach längerer unentgeltlicher 
Beschäftigung zu einer Anstellung Im Justiz-Dienste Aussicht haben. 

Vom 23. Mai. In Folge höherer Veranlassung macht das Königliche Provincial-Schul-Collegium 
die Directoren der Gymnasien der Provinz wiederholt darauf aufmerksam, dass das ungenügende Er- 
gebniss mancher Abiturienten-Prüfungen seinen Grund wesentlich In einer zu nachslchtsvollenMllde 
habe, welche bei Aufnahme und Versetzung der Schüler In höhere Klassen namentlich in die 
Pflma ausgeübt wird. Darauf hingewiesen wird hierbei, dass nicht eine hastige Vorbereitung 
in dem letzten Jahre oder gar In den letzten Monaten des Cursus In der Prima zu den Universitäts- 
studien reif machen könne, sondern dass die erforderliche Reife das durch den ganzen Gymnasial-Cur- 
sus vorbereitete Ergebniss der gesammten intellectuellen und sittlichen Thätigkelt des Schülers sei, 
und dass, wenn bei gehöriger Anleitung der Lehrer ein nicht ganz talentloser Schüler von den 
untern Klassen an redlich seine Pflicht erfüllt habe, die Reife desselben am Ende der Prima gar 
nicht mehr In Frage gestellt werden könne. Habe ein Schüler auf irgend einer Stufe, sei es 
aus Älangel an Begabung oder des erforderlichen Fleisses, die nöthlge Ausbildung nicht er- 
langt, so sei er zu der nächst höheren Stufe nicht zuzulassen, damit er zeltig lerne seine 
Kräfte zu gebrauchen, oder eine Bahn, die ihm wegen mangelnder Anlagen einmal verschlossen 
ist, einzuschlagen aufgebe, bevor er in den oberen Klassen oder am Ende der Prima zu 
manchen anderen Geschäften untauglich geworden ist. Wie Insbesondere darauf hinzuwirken 
sei, dass durch eine geregelte Thätigkelt und durch angemessene Fortschritte In allen Klassen 
einerseits, so wie andererseits durch zeitige Ausscheidung der zum Studiren nicht geeigneten 
Schüler am Ende des Gymnasial-Cursus bei allen Abiturienten eine geistige Bildung erzielt 
werde, welche den gesetzlichen Forderungen für die Erthellung des Zeugnisses der Reife ent- 
spricht, wird hierauf in näherer Hinweisung auf desfallsige Verpflichtungen der Lehrer und Direc- 
toren ausgesprochen. 

Vom 8. Juni. Von dem Königlichen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medlclnal-Ange- 
legenhelten sind aus dem durch den Staatshaushalts-Etat pro 1857 bewilligten ausserordent- 
lichen Unterstützungsfonds für Gymnasiallehrer vier Lehrer der Anstalt mit zusammen 140 Thlr. 

bethellt worden. 

Vom 12. Juni. In Folge des unter dem 26. September v. J. eingesandten Conferenz-Protocolles 
wird Bericht erfordert, wie weit die In Bezug auf das Vocabellernen getroffene Vereinbarung 
im Laufe dieses Schuljahres festgehalten und ausgeführt worden Ist, und ob die gemachten 
Erfahrungen den Erwartungen entsprochen haben. 

Vom 26. Juni. Da die Reife Im Hebräischen als ein wesentliches Erfordernlss für Studlrende der 
Theologie betrachtet werden muss, so sind die Universitäts-Behörden angewiesen, nur diejenigen 
Studlrenden der Theologie, welche auch die Reife Im Hebräischen erlangt haben, bei der Ver- 
leihung akademischer Beneficlen zu berücksichtigen. 



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29 



Empfohlen wurden in Circular-Verfügungen unter dem 27. October das „Lateinische- Vocabula- 
rium, von Bonnell'^, unter dem 2. Februar die im Verlag von Georg Wigand in Leipzig heraus- 
gegebenen 17 Bildnisse der Brandenburgisch-Preussischen Regenten aus dem Hause Hohen- 
zollern von dem Kurfürsten Friedrich L bis zu des jetzt regierenden Königs Majestät, unter 
dem 14. Februar die im Verlage von P. Reimer in Berlin erschienene von H. Kiepert bear- 
beitete Wandkarte von Palästina nebst einer dazu gehörigen kleinen Handkarte. 



IIL Chronik des Gymnasinms. 



Das Schuljahr 1856-57 wurde am 30. September, nachdem am 27. und 29. die Meldung 
der Schüler stattgefunden, in herkömmlicher Weise mit Vorlesung und Erläuterung der Schulgesetze 
und darauf folgender kirchlicher Feierlichkeit eröffnet. 

Die Lehrstunden begannen den I. October. 

Vervollständigt war mit dem Beginne des Schuljahres das Lehrer -Personale der Anstalt 
durch den zu dieser Zeit in die Stelle des Ostern 1856 als Oberlehrer an das Gymnasium in 
Leobschütz abgegangenen Gymnasiallehrers Dr. Winkler erfolgten Eintritt des bisherigen Collaborators 
am Königlichen katholischen Gymnasium in Gross-Glogau Dr. Wahner (S. das vorjähr. Progr. S. 12.), 
welcher in sein hiesiges Amt als ordentlicher Gymnasiallehrer am 30. September eingeführt wurde. 
Das Amt eines Bibliothekars der Anstalt wurde demselben nach hoher Verfügung des Königlichen 
Provincial-Schul-Collegiums vom 27. September übertragen. Möge das Wirken des freudig von der 
Anstalt begrüssten Amtsgenossen auch in seinem hiesigen Amte dauernd gesegnet sein, wie ihm in 
seinem früheren Wirkungskreise die Anerkennung einer sehr erfolgreichen Thätigkeit nicht 

gefehlt hat! 

Die Theilung der 90 Schüler zählenden Quinta in zwei parallele Cötus wurde vom Anfange 
des Schuljahres ab dadurch ermöglicht, dass der Candidat des höheren Lehramtes Emil Roehr in 
Berücksichtigung des desfallsigen Bedürfnisses in Folge hoher Verfügung des Königlichen Provincial- 
Schul-Collegiums der hiesigen Anstalt auch fernerweitig und zwar mit einer demselben nachmals 
gewährten entsprechenden Verbesserung seines Einkommens als Hülfslehrer erhalten blieb. 

Am 15. October beging das Gymnasium die Feier des hohen Geburtsfestes Sr. Majestät des 
Königs in üblicher Weise durch einen Schulact und eine kirchliche Feier. Vor der Versammlung 
der Lehrer und Schüler sprach der Director, nach zwei von Schülern der oberen Klassen gehaltenen 
Vorträgen, über die erhebenden Erinnerungen aus fernerer oder näherer Vergangenheit, welche der 
hohe Festtag in der Brust des Preussen zu wecken und besonders zur Beherzigung der Jugend 
Preussens zu beleben geeignet sei, woran sich die innigsten Segenswünsche für den allgeliebten 
Landesvater schlössen. Die Schulfeier, durch die geneigte Anwesenheit des Königlichen Regie- 
rungs-Präsidenten Herrn Grafen von Pückler und zahlreicher Mitglieder der hiesigen Behörden, so 
wie anderer Gönner und Freunde der Anstalt wesentlich erhöht, schloss mit einem derselben ent- 
sprechenden Gesänge, wie sie mit einem solchen eingeleitet worden. Hierauf folgte ein festliches 
Hochamt in der Gymnasialkirche mit Te deum und Salvum fac regem. 

Besondere kirchliche Andacht vor der ersten vormittägigen Unterrichtsstunde fand in fol- 
genden Fällen statt. 

Am 20. September hatte der emerit. Gymnasial - Professor, Priester-Iubilar und Ritter des 
Rothen Adler Ordens Herr Anton Schnaubelt im 87. Jahre seines Lebens und im 64. seines Priesterthums 



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seine irdische Laufbahn vollendet. Dem Gymnasium, welchem der in dankbarer Erinnerung seiner 
einstmaligen Schüler fortlebende Lehrer auch nach seiner im Jahre 1824 erfolgten Pensionirung 
unausgesetzt seine lebhafte Theilnahme zugewendet, sowie in Fällen des Bedürfnisses liebevoll ent- 
gegenkommende Bereitwilligkeit in Gewährung von Aushülfe durch priesterliche Functionen hatte 
angedeihen lassen, gab derselbe von seiner wohlwollenden Gesinnung noch besonders in seinem 
unter dem 26. August 1853 errichteten (am 26. September 1856 publicirten) Testamente einen zu 
frommem Andenken auch für die Zukunft verpflichtenden Beweis, indem er demselben 500 Thaler in 
schlesischen Pfandbriefen mit der Maszgabe legirte, „dass die jährlichen Zinsen davon durch den 
Director der Anstalt an fleissige katholiche Schüler, welche Theologie zu studiren und dem geist- 
lichen Stande sich zu widmen gemeint sind, zu vertheilen sind". Für die Seele des Dahingeschie- 
denen wurde am 9. October ein feierliches Requiem in der Gymnasialkirche abgehalten, welchem 
Lehrer und Schüler beiwohnten. 

Am 27. Mai wurde für den am 11. Mai in Breslau verstorbenen kurz vorher pensionirten Gym- 
nasial-Oberlehrer Anton Kabath, am 23. Juni für den am 4. Juni in Gleiwitz verstorbenen 
Hülfslehrer am Gymnasium Anton Frenzel ein feierliches Seelenamt gehalten. 

Der Unterricht nahm im Allgemeinen seinen geregelten Verlauf. Zwar war der Gesanglehrer Kothe 
für die Zeit vom 6. bis 18., der unterzeichnete Director vom 20. bis 31. October als Geschworener 
einberufen, der Gymnasiallehrer Dr. Wahner vom 13. bis 26. Juni und der Candidat Roehr vom 
27. Juni bis 10. Juli zur Landwehrübung beordert; indess fand keine dieser Störungen unter Um- 
ständen statt, dass nicht eine vollständige Vertretung möglich gewesen wäre, wie eine solche denn 
auch in allen Fällen mit Einchluss derjenigen erfolgt ist, in welchen vorübergehende Unterbrechungen 
durch Krankheit oder andere unabweisbare Verhinderungen für die Thätigkeit einzelner Lehrer 
eintraten. 

Der Gesundheitszustand unter den Schülern war im Allgemeinen ein günstiger. Doch verlor 
die Anstalt durch den Tod am 4. Juni einen in Folge von Krankheit bereits mehrere Monate am 
Besuche des Unterrichts behindert gewesenen Schüler, den Sextaner Friedrich Bursig. 

Gemeinsame Spaziergänge unter Leitung der Lehrer der Anstalt und nicht ohne erfreuliche 
Betheiligung zahlreicher Angehörigen von Schülern wurden am 7. October Nachmittags nach Czar- 
nowanz und am 13. Mai nach Dambrau unternommen. Bei keinem der beiden Jugendfeste fehlte es 
an regem Frohsinn. 

Ein grosser, das Wirken der Anstalt bereits auch in wesentlichen Beziehungen berührender 
Uebelstand waren fortgesetzt die unzulänglichen Räumlichkeiten, welche das jetzige Klassenhaus 
bietet. Dass die Ausführung der in vollständiger Anerkennung des obwaltenden dringenden Be- 
dürfnisses Seitens der hohen Behörden Betreifs eines entsprechenden Neubaues gehegten Absichten 
in nicht allzuferner Zukunft erfolgen werde, ist indess begründete Hoffnung vorhanden. 

Abiturienten -Prüfung wurde nur am Michaelis- Termine gehalten. Zu der unter dem 
Vorsitze des Königlichen Regierungs- und Schulrathes Herrn Dr. Stieve am 10. August stattfin- 
denden mündlichenPrüfung wurden 12 Schüler der Anstalt, sämmtlich Primaner im 4.Semester, zugelassen. 
Das Zeugniss der Reife erwarben sich, nachdem zwei der Examinanden während der Prüfung zu 
ihrer Ausschliessung von der ferneren Theilnahme an derselben Veranlassung gegeben, folgende: 

1. Robert Beer, aus Anhalt, 

2. Georg Liebeneiner, aus Creuzburgerhütte , 

3. Johann Lipczyk, aus Oppeln, 



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30 



31 



4. Carl Marx, aus Antouia, 

5. Benno Reymann, aus Stiebendorf, 

6. Wilhelm Richter, aus Neustadt, 

7. Julius Römer, aus Ober-(ilogau, 

8. Oscar Wauer, aus Poljanka (in Ungarn) gebürtig. 

Von ihnen wollen in Breslau Beer evangel. und Lipczyk kathol. Theologie, Liebeneiner, 
Richter und Wauer Rechtswissenschaft, Medicin ebendaselbst .Marx und in Greifswald Romer 
studireu, Reymann aber zur Intendantur übergehen. 



IUI. Statistik des Gymnasiums. 

A. FrequcDz, 



Die Zahl der Schüler betrug im Winter-Semester nach erfolgler Inscription von 84 neu ein- 



tretenden in 



I. 


II. 


111. 


IUI. 


Vb. 


Va. 


VI. 


Summa 


39 


56 


73 


84 


46 


45 


76 


419, 



im Sommer -Semester nach abermaligem Zutritt von 
5 neu inscribirten und inzwischen erfolgtem x\bgange 
von 35 aus der Zahl der bisherigen .32 52 69 76 43 44 73 389. 

Unter der Gesammtfrequenz befanden sich im 

Winter-Semester 233 katholische, 136 evangelische und 50 jüdische, 
im Sommer-Semester 221 „ 118 „ ,. 50 „ Schüler. 

B. Die Sammlungen des Gymnasiums. 

Bibliothek. 

a. Lehrerbibliothek. Durch Geschenke und durch Ankäufe von der etatsmässigen Summe 
erhielt die Lehrerbibliothek im Schuljahre 1856-57 einen Zuwachs von 42 Werken in HO Bänden, 
welcher mit dem vorjährigen Bestände die Gesammtzahl von 3667 Werken in 7809 Bänden ergiebt. 

An Geschenken wurden derselben zugewendet von dem Hohen Ministerium durch das Kgl. 
Provincial- Schul -Collegium in je einem Exemplare: .,Germaniens Völkerstiramen", von Firmenich, 12. 
Lief. — ^Zeitschrift für deutsches Alterthum", von Moritz Haupt, XL B. LH. — „Bildersaal altdeutscher 
Dichter nebst Atlas", von Fr. Heinr. von der Hagen. — Genera plantarum florae germanicae, von Nees v. 
Esenbeck, fasc. XXVHIL ; durch die hiesige Königliche Regierung: Monumenta Germaniae historica, ed. 
Pertz, Tom. XIIIL; von dem H. Herausgeber durch das Königliche Provincial-Schul-Collegium: C. Plinius 
Secundus Naturgeschichte, übersetzt etc. von Chr. Fr. Lehr. Strack, 3 Bde ; von dem H. Professor 
Dr. Schweigger in Halle: Jahrbuch der Chemie und Physik, 12 Bde. — Einleitung in die Mythologie 
auf dem Standpunkte der Naturwissenschaften, und einige kleinere Schriften; von der Schles. Ge- 
sellschaft für vaterländische Kultur: 33. Jahresbericht der Schi. G. für v. K.; von dem hiesigen 
Gymnasial-Lesezirkel: Jahrgang 1856 mehrerer Zeitschriften. 

b. Jugendbibliothek. Durch Geschenke und Ankäufe von der etatsmässigen Summe 
wurde die Jugendbibliothek um 40 Werke in 113 Bänden und dadurch bis zu der gegenwärtigen 
Gesammtzahl von 1453 Werken in 2508 Bänden vermehrt. 



An Geschenken erhielt dieselbe in je einem Exemplar von dem Königlichen Provincial-Schul- 
Collegium: Lat. Grammatik, von Moiszisstzig; von dem H. Verfasser: Griech. Wörter und Wortfa- 
milien, von J. Kaiser; von dem Buchhändler H. Weilshäuser hicrselbst: Gleises, Sd^na, ou la fa- 
mille Saman^enne; von der Verlagsbuchhandlung Mauke in Jena; Dünnebier lateinisch-deutsche und 
deutsch-lat. Uebersetzungsbeispiele. — Koch, deutsche Gramm, für höh. Lehranstalten. 

Auf die Vermehrung der zum Unterrichte nöthigen Apparate und Sammlungen wurden die 
etatsmässigen Summen verwendet. 

C. Unterstützungen armer fleissiger SchöleL 

Unterstützung erhielten aus der zur Vertheilung gekommenen Stipendien-Summe von 232 Thlr 
arme, durch Führung, Fleiss und Leistungen würdige Schüler in Beträgen von 10 bis 29% Thlr. 
Die Prämie von den Zinsen der „Alkerschen Stiftung" wurde dem Abiturienten Lipczyk ertheilf. 

Die von dem in Gott ruhenden Cardinal und Fürstbischof Melchior Freiherrn von Diepenbrock 
für utraquistische, voraussichtlich demStudium der katholischen Theologie sich widmende Gymna- 
siasten gegründeten Stipendien in dem halbjährlichen Betrage von je 7*/, Thlr. wurden von Sr. 
Fürstbischöllichen Gnaden dem Hochwürdigsten Herrn Fürstbischhof von Breslau auf desfallsigen 
Vorschlag an Weihnachten fünf Schülern der Prima, an Johannis zweien der Prima und dreien der 
Secunda verliehen. 



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Summa. 



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Winter-Sem. 



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L Ordnung der öffentlichen Priirung. 

Dienstag, den 18. August 

Yonnittags. 

Von 8—10 Uhr: Sexta und Quinta. 
Von 10—12 Uhr: Quarta und Tertia. 

Nachmittags. 
Von 2-5 Uhr: Secunda und Prima. 
Die Probezeichnungen werden von 3 — 5 Uhr im Klassen-Locale der III. ausgestellt sein. 

Hittwoch, den 19. Augnst. 

Schlussfeierlichkeit. 

Um 7% Uhr feierlicher Gottesdienst. 

Von 9 Uhr ab im Priifungssaale des Gymnasiums: 

a) Gesang: „Vor dir, Ewiger", Chor von J. P. Schulz. 

b) Vorträge von Schülern aus Sexta, Quinta, Quarta und Tertia. 

Simon Baron: Das Gesicht des Arsenius, von L. Th. Kosegarten. — Guslav Munscheid: Der Stelz- 

fuss, von E. Langbein. — Julius Schottländer: Der blinde König, von L. Uhland. 
Carl Kottissek: Die nächtliche Heerschau, von J. Chr. von Zedlitz. — Oscar Drabich: Das Grab im 

Busento, von A. von Platen. — Ferdinand Rhode: Der Reiter und der Bodensee, von G. 

Schwab. — Lothar Thiel: Schwerting, der Sachsenherzog, von K. E. Ebert. 
Carl Hampel: Der Ring des Polycrales, von Schiller. — Victor Mouillard: Cephis, von E. Chr. 

Kleist. — Paul von Schmid: Heldenwunsch, von Castelli. 
Wilhelm Munscheid: Der Polenflüchtling, von N. Lenau. — - Adolph Strassyl : Der Scheerenschleifer, 

von G. PfeffeL 

c) Gesang: „Der Herr ist mein Hirt", Psalm von B. Klein. 

d) Vorträge. 

August Gorke in IL: „Theuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen; Zeigt 

mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll." Schiller. (Eig. Arb.) 
Johann Lipczyk, Abit.: Sero dediscit animus, quod didicit diu. Senec. Troad. (Lat. Rede. Eig. Arbeit.) 
Robert Beer, Abit.: Dem Guten nur sind Güter wahrhaft gut; Ein Quell des Unheils werden sie dem Bösen, 

(Eig. Arb.) 
Julius Göde in L: Was verdankt unsre gegenwärtige allgemeine Bildung den Griechen und Römern? 

(Eig. Arb.) 
Beer wird zugleich im Namen der Abiturienten einige Worte des Abschieds sprechen, der Primaner 

Göde diese erwidern. 

e) Gesang: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", Hymne von L. von Beethoven. 
Hierauf Entlassung der Abiturienten durch den Director und Bekanntmachung der Versetzung 

in höhere Klassen. 



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Die Ferien beginnen mit dem 20. August und enden mit dem 30. September. Der 1. und 

2 October sind zur Anmeldung der früheren, sowie der neu eintretenden Schüler bestimmt. Am 

3 October >vird das Schuljahr mit feierlichem Gottesdienste und der Vorlesung der Schulgesetze er- 
öffnet Schüler, welche von einem andern Gymnasium kommen, haben ein Abgangszeugniss von 
demselben, ganz neu eintretende ein Zeugniss über den zuletzt genossenen Unterricht nebst dem 
Taufzeugnisse und Impfscheine vorzulegen. 

Dr. StiDoer, 

Dircctor. 



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